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Tierwelt Winterschlaf in den Tropen

24.06.2004 ·  Sogar Primaten tun es: Auch wenn es auf den ersten Blick überraschen mag, kann für Tiere in den Tropen ein Winterschlaf sinnvoll sein. Der Fettschwanzmakis auf Madagaskar als Beweis.

Von Reinhard Wandtner
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Wenn sich in unseren Gefilden der Winter ankündigt, suchen etliche Tiere ein Quartier zum Überdauern der kalten Jahreszeit auf. Auch wenn es auf den ersten Blick überraschen mag - für Tiere in den Tropen kann ein Winterschlaf ebenfalls sinnvoll sein. Zwar drohen dort keine eisigen Temperaturen, aber andere jahreszeitlich wechselnde Umweltbedingungen lassen eine längere Ruhepause angebracht erscheinen. Zoologen der Universitäten Marburg, Würzburg und Hamburg haben nun ein solches Verhalten erstmals sogar bei einem Primaten, einer Lemurenart auf Madagaskar, zweifelsfrei nachgewiesen.

Auf Madagaskar dauert der "Winter", die nahrungsarme Trockenzeit, von April bis Oktober. Das ist die Zeit, während der die untersuchten Lemuren der Art Cheirogaleus medius ihren Stoffwechsel auf Sparflamme betreiben. Zwar beugen sie dem Mangel vor, indem sie sich in besseren Tagen dicke Fettpolster anfressen, was ihnen den Namen Fettschwanzmaki eingebracht hat. Die Reserven würden aber kaum reichen, wenn die Tiere nicht ihre Lebensweise änderten. Wie Kathrin Dausmann aus der Marburger Arbeitsgruppe von Gerhard Heldmaier zusammen mit den anderen Forschern in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Nature" (Bd. 429, S. 825) berichtet, ziehen sich die Tiere während der sieben Monate dauernden Trockenzeit in Baumhöhlen zurück.

Wertvolle Energie

Wie der Winterschlaf verläuft, hängt dabei maßgeblich von der Beschaffenheit der Unterkunft ab. Verfügt das Baumloch lediglich über dünne Wände, ist es gegen die großen tageszeitlichen Schwankungen der Außentemperatur nur wenig abgeschirmt. Die Körpertemperatur der Tiere folgt diesen Schwankungen. Unterschiede von rund 20 Grad täglich sind die Regel. Die niedrigste gemessene Körpertemperatur betrug 9,3 Grad, die höchste 35,9 Grad. Die strikte Anpassung an die Umgebungstemperatur erinnert an die Verhältnisse bei Reptilien. Sie ließ sich über Wochen und mitunter sogar Monate hinweg verfolgen. Die Tiere blieben während der ganzen Zeit passiv, vorausgesetzt, die Temperatur in ihrer Behausung und somit auch die ihres Körpers stieg zumindest jeden zweiten Tag einmal auf mindestens 30 Grad. Ein schlecht isoliertes Zuhause ist demnach dem Winterschlaf der Fettschwanzmakis durchaus förderlich.

In Baumhöhlen mit dicken Wänden erreicht die Temperatur deutlich seltener diesen Wert. Die dort schlafenden Tiere aktivieren ab und an ihren Stoffwechsel, so daß sich der Körper vorübergehend auf mehr als 30 Grad erwärmt. Dieser Zustand muß offenbar von Zeit zu Zeit erreicht werden, sollen die Körperfunktionen nicht aus dem Lot geraten. Das Aufwärmen kostet allerdings wertvolle Energie. Baumhöhlen mit besonders dicken Wänden sind in dieser Hinsicht noch ungünstiger. Bei einer Wandstärke von 20 Zentimetern etwa bleibt die Temperatur im Schlafgemach oft tagelang ziemlich konstant bei rund 25 Grad. Ungefähr einmal pro Woche aktivieren die dort ruhenden Lemuren ihre Reserven und schalten auf Wärmeproduktion um. Für knapp sechs Stunden haben sie dann eine Körpertemperatur von 33 Grad. Insgesamt betrachtet zeigen die Ergebnisse, daß Winterschlaf eine Strategie zum Energiesparen ist, die auch bei durchaus sommerlich erscheinenden Verhältnissen angebracht sein kann.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2004, Nr. 144 / Seite 36
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