http://www.faz.net/-gwz-734sx

Tierreich : Der Vampir der Tiefsee ist ein Faultier

Mit den Häuten zwischen den Tentakeln streift er durch die Tiefsee. Bild: dapd

Der Vampirtintenfisch wird seinem furchterregenden Namen nicht gerecht. Denn er ist kein Räuber, sondern eher ein Phlegmatiker.

          Kein Tintenfisch wie jeder andere, das ist das Mindeste an Auffälligkeiten, die man dem Vampirtintenfisch zuschreiben kann. Vampyroteuthis infernalis, was so viel heisst wie „Vampierkrake, der aus der Hölle kommt“, ist ein Bewohner der Tiefsee unterhalb von sechshundert Metern und wurde schon vor hundert Jahren entdeckt. Er ist klein, kaum länger als eine erwachsene Hand, doch sein furchterregendes Äußeres haben die Namensgeber wohl mutmaßen lassen, dass es sich um einen womöglich blutsaugenden, gefährlichen Parasiten handeln könnte. Dieses Gerücht haben die kalifornischen Zoologen Hendrik Hovin und Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium in Moss Landing nun endgültig zerschlagen.

          Er führt ein ruhiges Leben unter Wasser

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nach wochenlangen Fütterungsexperimenten, Tauchfahrten mit einem ferngesteuerten Unterseeroboter und nach der Analyse Dutzender Museumsexemplare haben sie in den „Proceedings B“ der Royal Society (doi:10.1098/rspb.2012.1357) gezeigt: Der Vampirtintenfisch ist weder Räuber noch Schmarotzer, sondern ein ziemlich phlegmatischer, um nicht zu sagen bequemer Tiefsee-Segler, der sich die meiste Zeit im dunklen, sauerstoffarmen Wasser treiben lässt und darauf wartet, dass Organismenreste - Detritus - seinen Weg kreuzen. Eine wichtige Rolle spielen dabei zwei tentakelartige, zerbrechlich wirkende Filamente, die in der Nähe des Mauls entspringen. Mit den steifen Härchen, die darauf wachsen, ertastet sich der Vampirtintenfisch seine Umgebung. Sobald aus den höheren Wasserschichten ein nahrhafter Happen in die Tiefe schwebt und die Tentakeln berührt, öffnet Vampyroteuthis seine acht mit Hautsegeln verbundenen Arme und sorgt dafür, dass das Futter ins bezahnte Maul „fällt“.

          Weitere Themen

          Viele Tote bei Busunfall in Peru Video-Seite öffnen

          Sturz in die Tiefe : Viele Tote bei Busunfall in Peru

          Mindestens 22 Tote sind die traurige Bilanz eines Unglücks in Peru. Ein Bus war dort an einem Abhang rund 100 Meter in die Tiefe gestürzt – nicht der erste tödliche Unfall eines Busses in diesem Jahr.

          Topmeldungen

          Entschärfte Bombe am Gallus

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Neues Formel-1-Auto : Mercedes und ein „Kunstwerk“ auf vier Rädern

          Die Formel 1 präsentiert ihre Autos für 2018. Auch Weltmeister-Team Mercedes zeigt den neuen Silberpfeil. Einen Schönheitswettbewerb gewinnt der Bolide nicht. Aber der Blick bleibt an einem umstrittenen Titangestell hängen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.