Home
http://www.faz.net/-gx4-734sx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Tierreich Der Vampir der Tiefsee ist ein Faultier

Der Vampirtintenfisch wird seinem furchterregenden Namen nicht gerecht. Denn er ist kein Räuber, sondern eher ein Phlegmatiker.

© dapd Vergrößern Mit den Häuten zwischen den Tentakeln streift er durch die Tiefsee.

Kein Tintenfisch wie jeder andere, das ist das Mindeste an Auffälligkeiten, die man dem Vampirtintenfisch zuschreiben kann. Vampyroteuthis infernalis, was so viel heisst wie „Vampierkrake, der aus der Hölle kommt“, ist ein Bewohner der Tiefsee unterhalb von sechshundert Metern und wurde schon vor hundert Jahren entdeckt. Er ist klein, kaum länger als eine erwachsene Hand, doch sein furchterregendes Äußeres haben die Namensgeber wohl mutmaßen lassen, dass es sich um einen womöglich blutsaugenden, gefährlichen Parasiten handeln könnte. Dieses Gerücht haben die kalifornischen Zoologen Hendrik Hovin und Bruce Robison vom Monterey Bay Aquarium in Moss Landing nun endgültig zerschlagen.

Er führt ein ruhiges Leben unter Wasser

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

Nach wochenlangen Fütterungsexperimenten, Tauchfahrten mit einem ferngesteuerten Unterseeroboter und nach der Analyse Dutzender Museumsexemplare haben sie in den „Proceedings B“ der Royal Society (doi:10.1098/rspb.2012.1357) gezeigt: Der Vampirtintenfisch ist weder Räuber noch Schmarotzer, sondern ein ziemlich phlegmatischer, um nicht zu sagen bequemer Tiefsee-Segler, der sich die meiste Zeit im dunklen, sauerstoffarmen Wasser treiben lässt und darauf wartet, dass Organismenreste - Detritus - seinen Weg kreuzen. Eine wichtige Rolle spielen dabei zwei tentakelartige, zerbrechlich wirkende Filamente, die in der Nähe des Mauls entspringen. Mit den steifen Härchen, die darauf wachsen, ertastet sich der Vampirtintenfisch seine Umgebung. Sobald aus den höheren Wasserschichten ein nahrhafter Happen in die Tiefe schwebt und die Tentakeln berührt, öffnet Vampyroteuthis seine acht mit Hautsegeln verbundenen Arme und sorgt dafür, dass das Futter ins bezahnte Maul „fällt“.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
+++ Klimaticker Januar +++ Klimamodelle, Katastrophenwerte, Algenpest

Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zur Fehleranfälligkeit der Klimamodelle, den planetaren Belastungsgrenzen und zum labilen Meeresplankton. Mehr Von Joachim Müller-Jung

28.01.2015, 21:34 Uhr | Wissen
Weißer Hai wartet im seichten Wasser

Ein Strandabschnitt in Massachusetts wurde mehrere Stunden gesperrt, weil ein großer weißer Hai im seichten Wasser wartete. Der Hai wurde genauestens im Auge behalten, er zog sich wenig später zurück in tieferes Wasser. Mehr

26.08.2014, 16:34 Uhr | Gesellschaft
Plankton in der Arktis Das Meer blüht nicht nur im Frühling

Die atemberaubenden Meeresblüten von Kleinstlebewesen in der Arktis, von Algen vor allem, sind alles andere als ein Frühlingsphänomen. Kleine Pflanzenfresser mischen fröhlich mit. Mehr Von Horst Rademacher

26.01.2015, 19:11 Uhr | Wissen
Pizzabäcker verprügeln bewaffnete Räuber

EIn Pizza-Laden im Süden Italiens, in Ruvo di Puglia, wird von bewaffneten Räubern angegriffen. Es geht um die Kasse mit den Einnahmen, aber die Pizza-Männer setzen sich zur Wehr und fangen bald an, entschlossen mit Tellern zu werfen. Die Räuber flüchten und werden kurz darauf von Polizisten festgenommen. Mehr

10.09.2014, 09:31 Uhr | Gesellschaft
Hörbuch Ronja Räubertochter Mehr als nur ein Streit zweier Dickschädel

Dreißig Jahre lang hat es keine Hörbuchfassung von Astrid Lindgrens letztem großen Kinderroman gegeben. Jetzt findet Ulrich Noethen für Ronja Räubertochter eine Stimme, die zu Herzen geht. Mehr Von Fridtjof Küchemann

29.01.2015, 14:36 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.09.2012, 16:16 Uhr