Tag und Nacht trotzen sie der Eiseskälte der Nordmeere, sie kennen sommers wie winters nur die harschen Bedingungen der Arktis, und doch sind ihre Erscheinungen nicht weniger prächtig als die ihrer tropischen Verwandten.
Mehr noch: Die Artenvielfalt von Kaltwasserbewohnern, zu denen die hier abgebildete farbenfrohe Qualle aus der Art Crossota zählt, steht derjenigen der Warmwasserorganismen offenbar kaum nach. Das ist die Bilanz zweier internationaler Expeditionen, die vor kurzem zu Ende gegangen sind.
Dutzende bisher unbekannter Tiere entdeckt
Bei der Forschungsfahrt des amerikanischen Fischkutters „Healy“ in die Beaufortsee nördlich von Kanada waren zwei Dutzend Forscher aus Nordamerika, Rußland und China an Bord. Sie erkundeten die unbekannte Fauna des Canada Basin, einer Tiefseeschlucht, die an einigen Stellen bis zu 3600 Meter hinunterragt. Sie gilt als einer der isoliertesten Lebensräume der Arktis. Neben der hier gezeigten Qualle, die mit einer Kamera auf einem ferngesteuerten Roboterfahrzeug aufgenommen wurde, hat man Dutzende bisher unbekannter Krebstiere, Würmer und zum ersten Mal in dem Gebiet Tintenfische gefunden.
Nicht weniger überrascht über die Pracht des eisigen Nordmeeres waren Forscher aus Norwegen, der Universität Erlangen und des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften, als sie an Bord der „Poseidon“ und des Tauchbootes „Jago“ die nördlichsten Kaltwasser-Korallenriffe der Welt erkundeten. Statt zimmergroßer Korallenhügel, die Fahrtleiter Andre Freiwald und sein Team erwartet hatten, fand man in mehr als 250 Meter Tiefe Areale von der Ausdehnung mehrerer Fußballfelder. Der Riffgürtel erstreckt sich im Nordatlantik von Norwegen entlang des europäischen Kontinentalhangs bis nach Portugal.