26.02.2008 · Südafrika will das Abschießen von Elefanten unter Auflagen wieder zulassen. Mit dem „Culling“, dem Töten ganzer Herden, will das Land eine Elefantenplage abwenden. Tierschützer drohen nun, die Fußball-WM 2010 zu behindern.
Von Thomas Scheen, JohannesburgDie südafrikanische Regierung hat das Abschießen von Elefantenherden zur Kontrolle der Populationen in beschränktem Umfang wieder zugelassen. Das verkündete Umweltminister Marthinus van Schalkwyck. Das „Culling" genannte Töten ganzer Herden werde aber nur als letzte Möglichkeit betrachtet, der stark gestiegenen Elefantenpopulation in Südafrika Herr zu werden.
Erst wenn Umsiedlungen in andere Parks, die Vergrößerung bestehender Parks sowie das Verabreichen von Verhütungsmitteln nicht zum gewünschten Erfolg führen, sei das Abschießen erlaubt. „Ich glaube, wir haben damit eine Lösung gefunden, mit der alle Südafrikaner leben können", sagte van Schalkwyk.
Doppelt so viele Elefanten, wie der Park verkraftet
Südafrika hatte das Culling 1995 nicht zuletzt nach massiven Protesten von Umweltschutzverbänden und aus Sorge um sein Image als Touristendestination eingestellt. Seither aber wachsen die Herden jedes Jahr um sieben Prozent. Südafrika beherbergt gegenwärtig rund 20.000 Elefanten, von denen rund 14.000 in dem 20.000 Quadratkilometer großen Krüger-Nationalpark leben.
Nach Ansicht der Wildschutzbehörde sind das eindeutig zu viele. Der Krüger-Park könne lediglich 7000 Elefanten tragen. 14.000 Elefanten aber, von denen jeder täglich bis zu 200 Kilogramm Nahrung benötigt, seien eine direkte Bedrohung für die biologische Vielfalt des Parks und für die Lebensgrundlage anderer großer Tiere, wie zum Beispiel das als bedroht geltenden Spitzmaulnashorn („black rhino").
Tierschützer drohen mit Protesten
Die Hoffnungen, die Elefantendichte im Krüger-Park durch das Niederreißen der Grenzzäune zu dem moçambiquanischen Limpopo-Transfrontier-Park zu verringern, haben sich hingegen bislang nicht erfüllt. Ursprünglich wollte Südafrika 1000 Elefanten im Kruger-Park einfangen und nach Moçambique umsiedeln. Das Projekt wurde aber wegen fehlender finanzieller Mittel gestoppt, nachdem 111 Tiere nach Moçambique gebracht worden waren.
Rund 1000 weitere „Krüger-Elefanten" wechselten aus freien Stücken in den Limpopo-Park. Doch mehr werden es nach Ansicht der südafrikanischen Wildschutzbehörde nicht werden. Limpopo verfüge nicht über ausreichend Wasser für so viele Elefanten.
Die Tierschutzgruppe Animal Rights Africa hat schon mit Protesten gedroht, falls das Culling wieder erlaubt werde. Unter anderem wollte man zu einem Tourismus-Boykott im Gastland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 aufrufen. Der Internationale Tierschutzbund IFAW dagegen distanzierte sich von einem solchen Protest.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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