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Sternmull Riechen unter Wasser: Sogar Säugetiere beherrschen den Trick

27.12.2006 ·  Der Sternmull, ein naher Verwandter des Maulwurfs, kann auch unter Wasser riechen. Zu verdanken hat er das seiner Nase. Diese trägt einen fleischigen Kranz mit 22 Fortsätzen, der beim Tasten und Aufspüren von Beute auch unter Wasser gute Dienste leistet.

Von Reihnard Wandtner
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Riechen setzt das Einatmen von Luft voraus. Mit der Luft gelangen die Duftmoleküle an das Riechepithel der Nasenschleimhaut. Daher muß selbst die beste Spürnase kapitulieren, wenn es gilt, etwas unter Wasser zu erschnüffeln. Folgerichtig können Säugetiere wie Wale und Delphine, die ihren Lebensraum vom Land in das Wasser verlegt haben, mit ihrem Geruchssinn nicht mehr allzuviel anfangen. Manche haben ihn praktisch verloren. Dennoch ist es prinzipiell möglich, auch unter Wasser zu riechen. Zumindest zwei Arten von Säugern - der Sternmull und die amerikanische Sumpfspitzmaus - bringen dieses Kunststück fertig. Das hat jetzt der Biologe Kenneth Catania von der Vanderbilt University in Nashville (Tennessee) in eleganten Experimenten herausgefunden.

Der Sternmull (Condylura cristata), ein Verwandter des Maulwurfs, gehört zu den kuriosesten Gestalten unter den Säugern. Zu verdanken hat er das seiner Nase. Diese trägt einen sternförmigen, fleischigen Kranz mit 22 Fortsätzen, der beim Tasten und Aufspüren von Beute unter Tage gute Dienste leistet. Hat der Sternmull ein Opfer gefunden, etwa einen Wurm, identifiziert und verschlingt er dieses in atemraubender Geschwindigkeit.

Winzige Luftblasen helfen beim Riechen

Auf der Suche nach Nahrung begeben sich Sternmulle auch ins Wasser. Dort stoßen sie mit der Nase in kurzen Abständen winzige Luftblasen mit einem Volumen von 0,06 bis 0,1 Milliliter aus und saugen diese umgehend wieder ein. Dies geschieht etwa acht- bis zwölfmal pro Sekunde. Das hat der amerikanische Biologe mit einer Hochgeschwindigkeitskamera festgehalten. Dabei kam ihm der Gedanke, bei dem sonderbaren Verhalten könne es sich gewissermaßen um ein Schnuppern unter Wasser handeln. Ratten zum Beispiel schnuppern mit einer ganz ähnlichen Frequenz, nämlich vier- bis zwölfmal pro Sekunde. Bezogen auf das Körpergewicht, ist auch das Luftvolumen ähnlich groß.

Um seine These zu prüfen, köderte Catania etliche Sternmulle mit dem verlockenden Duft von Regenwürmern oder Fischen. Er legte entsprechende Spuren unter Wasser, und zwar dergestalt, daß die Luftblasen durch ein Stahlnetz zur Duftquelle dringen und dann wieder eingeatmet werden konnten. Ein direkter Nasenkontakt blieb den Tieren indes verwehrt. Wie der Forscher in der Zeitschrift "Nature" (Bd. 444, S. 1024) berichtet, erreichten die Sternmulle eine Treffsicherheit von 75 bis 100 Prozent.

Überraschend große Treffsicherheit

Wurde die Duftquelle indessen mit einem Netz bedeckt, dessen Maschen zu eng für die Luftblasen waren, vermochten die Tiere die Spur nicht mehr aufzunehmen. Daraus schließt der Forscher, daß die Sternmulle unter Wasser riechen können. Voraussetzung dafür ist, daß die Luftblasen mit dem Duftstoff in Kontakt kommen und dabei Moleküle aufnehmen. Wie Catania in weiteren Experimenten herausgefunden hat, wendet nicht nur der Sternmull, sondern auch die Sumpfspitzmaus (Sorex palustris) beim Tauchen den Trick mit den Luftblasen an. Die Tiere erreichten beim Erschnüffeln einer nach Fisch duftenden Spur im Wasser eine Treffsicherheit von 80 bis 85 Prozent.

Quelle: R.W. / F.A.Z., 27.12.2006
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