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Spinnen Spinnen nach Art von gemusterten Blüten

22.12.2004 ·  Tropische Spinnen kommen oft ausgesprochen farbenfroh daher - um ihre Beute zu täuschen. Aus Bienensicht sehen die Netzjäger verlockenden Blüten mitunter sehr ähnlich.

Von Diemut Klärner
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Tropische Netzspinnen kommen oft ausgesprochen farbenfroh daher. So auch Arten der in den Tropen der Alten und Neuen Welt gleichermaßen verbreiteten Gattung Nephila. Die in Südostasien heimische Nephila pilipes schmückt ihren fast fingerlangen Körper und die noch längeren Beine mit einem gelb-weißen Muster aus Streifen und Punkten.

Taiwanesische Wissenschaftler um I-Min Tso von der Tunghai University und En-Cheng Yang von der National Chung Hsing University in Taichung haben jetzt herausgefunden, daß sie damit ihre Beute täuscht, sie vielleicht sogar regelrecht anlockt.

Große Netze im Unterholz

Ihre Untersuchungsobjekte fanden die Forscher auf Orchid Island, einer kleinen Insel im Südosten von Taiwan. Dort spannen die Spinnen ihre bis zu einem Quadratmeter großen Netze im Unterholz aus, gewöhnlich vor dichtem Blattwerk. Überwiegend Bienen und Wespen, aber auch Käfer und Fliegen verfangen sich in den seidenen Fäden.

Daß ihnen das Farbmuster der Spinnen zum Verhängnis wird, zeigte der Vergleich mit einer dunklen Farbvariante von Nephila pilipes, die denselben Lebensraum bevölkert. In ihren Netzen verfangen sich nur etwa ein Drittel so viele Insekten.

Wie Gefahren erkannt werden

Die zarten Seidenfäden des Spinnennetzes sind für Insektenaugen nicht auszumachen, wohl aber die stattlichen Spinnen. Tagsüber sitzen sie mitten in ihrem Netz, stets bereit, sich auf ein Beutetier zu stürzen. Welchen Anblick die Spinnen potentiellen Opfern bieten, studierten die Wissenschaftler anhand von detaillierten Spektralanalysen (“Journal of Experimental Biology“, Bd.207, S.2631).

Dabei zeigte sich, daß sich die dunkle Variante in den Augen von Bienen und Wespen deutlich von dem grünen Blattwerk abhebt. Das gibt den Insekten eine Chance, die Gefahr zu erkennen und rechtzeitig abzudrehen. Bei der viel häufigeren bunten Variante (Fotos) sind die dunklen Körperteile dagegen eher bräunlich als tief schwarz.

Im Hellen unterscheiden sie sich kaum vom pflanzlichen Hintergrund. Deutlich erkennbar ist nur der farbliche Kontrast, ein symmetrisches Muster aus gelben und weißen Flecken. Der bedrohliche Umriß einer Spinne verwandelt sich so in ein Bild, das eher an eine Blüte erinnert. Nach Einschätzung der Forscher sind solche Exemplare in den Augen von Bienen harmlos, vielleicht sogar verlockend.

Schutz vor parasitischen Wespen

Es stellt sich die Frage, warum die Spinnen trotzdem auch in einer anderen Farbvariante existieren. In dem untersuchten Waldgebiet machen dunkel gefärbte Tiere immerhin etwa ein Viertel der Population aus. Womöglich orientieren sich bestimmte parasitische Wespen auf der Suche nach einem Opfer an dem leuchtenden Farbmuster der Spinnen. Eine dunkle Färbung könnte dann Schutz vor solchen Heimsuchungen bieten.

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