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Veröffentlicht: 07.10.2012, 10:53 Uhr

Spinnen Ein Sprung aus der Hüfte

Spinnen haben verschiedene Sprungtechniken entwickelt, um sich fortzubewegen. Untersuchungen zeigen, dass sie zweierlei Mechanismen einsetzen, um mit einem Sprung das Weite zu suchen.

von Dietmut Klärner
© dpa Um weit springen zu können, erzeugen die Springspinnen hydraulischen Druck im Vorderleib.

Spinnen sind nicht nur unheimlich flink, oft machen sie auch erschreckend große Sprünge. Allerdings benutzen große Exemplare eine andere Sprungtechnik als kleine. Wie Tom Weihmann, Michael Günther und Reinhard Blickhan von der Friedrich Schiller Universität in Jena entdeckten, setzen sie weniger auf die für Spinnen typische Hydraulik als auf direkte Muskelkraft (“The Journal of Experimental Biology“, Bd. 215, S. 578). Spinnenbeine zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich ganz ohne Streckmuskeln strecken.

Stattdessen arbeiten sie mit hydraulischem Druck, der im Vorderleib erzeugt wird. Darauf beruht auch die Sprungkraft der Springspinnen. Wenn Vertreter dieser Spinnenfamilie ihre Hinterbeine strecken, können sie mit einem Satz etliche Zentimeter zurücklegen, was mitunter dem 25-fachen ihrer Körperlänge entspricht. Eine beachtliche Leistung, denn im Gegensatz zu sprungfreudigen Insekten wie Flöhen und Heuschrecken haben die kleinen Springspinnen weder auffällig kräftige Hinterbeine noch können sie mit einem Katapultmechanismus starten.

Große Spinnen heben kaum noch ab

Wie die meisten Spinnen zählen auch die Springspinnen zu den Fliegengewichten. Für stattlichere Exemplare scheint es schwierig zu werden, mit Hilfe ihrer Hydraulik weit zu springen. Einschlägige mathematische Modelle ergaben, dass große Spinnen mit dieser Technik kaum noch abheben können. Wie also gelingt es vielen von ihnen trotzdem der Weitsprung? Um das herauszufinden, filmten die Forscher am Institut für Sportwissenschaften die Kammspinne, Ancylometes concolor, die in ihrer südamerikanischen Heimat an Seen und Teichen lebt. Ähnlich wie die hiesige Jagdspinne Dolomedes erbeutet sie dort vor allem Insekten, bisweilen aber auch kleine Fische.

Erwachsene Weibchen sind mit drei bis vier Gramm Körpergewicht so schwer wie eine kleine Spitzmaus. Bevor die Wissenschaftler solche Spinnen durch leichte Berührung zum Absprung animierten, manövrierten sie eins der beiden Hinterbeine auf eine winzige Kraftplattform. Deren Messungen zeigten, dass die massige Spinne Während sie ihre Hinterbeine hydraulisch streckt, aktiviert sie gleichzeitig ihre Beugemuskeln im Hüftbereich derart, dass sich die Füße kraftvoll vom Boden abstoßen.

Quelle: F.A.Z.

 

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