Home
http://www.faz.net/-gx4-73ael
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Spinnen Ein Sprung aus der Hüfte

Spinnen haben verschiedene Sprungtechniken entwickelt, um sich fortzubewegen. Untersuchungen zeigen, dass sie zweierlei Mechanismen einsetzen, um mit einem Sprung das Weite zu suchen.

© dpa Vergrößern Um weit springen zu können, erzeugen die Springspinnen hydraulischen Druck im Vorderleib.

Spinnen sind nicht nur unheimlich flink, oft machen sie auch erschreckend große Sprünge. Allerdings benutzen große Exemplare eine andere Sprungtechnik als kleine. Wie Tom Weihmann, Michael Günther und Reinhard Blickhan von der Friedrich Schiller Universität in Jena entdeckten, setzen sie weniger auf die für Spinnen typische Hydraulik als auf direkte Muskelkraft (“The Journal of Experimental Biology“, Bd. 215, S. 578). Spinnenbeine zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich ganz ohne Streckmuskeln strecken.

Stattdessen arbeiten sie mit hydraulischem Druck, der im Vorderleib erzeugt wird. Darauf beruht auch die Sprungkraft der Springspinnen. Wenn Vertreter dieser Spinnenfamilie ihre Hinterbeine strecken, können sie mit einem Satz etliche Zentimeter zurücklegen, was mitunter dem 25-fachen ihrer Körperlänge entspricht. Eine beachtliche Leistung, denn im Gegensatz zu sprungfreudigen Insekten wie Flöhen und Heuschrecken haben die kleinen Springspinnen weder auffällig kräftige Hinterbeine noch können sie mit einem Katapultmechanismus starten.

Große Spinnen heben kaum noch ab

Wie die meisten Spinnen zählen auch die Springspinnen zu den Fliegengewichten. Für stattlichere Exemplare scheint es schwierig zu werden, mit Hilfe ihrer Hydraulik weit zu springen. Einschlägige mathematische Modelle ergaben, dass große Spinnen mit dieser Technik kaum noch abheben können. Wie also gelingt es vielen von ihnen trotzdem der Weitsprung? Um das herauszufinden, filmten die Forscher am Institut für Sportwissenschaften die Kammspinne, Ancylometes concolor, die in ihrer südamerikanischen Heimat an Seen und Teichen lebt. Ähnlich wie die hiesige Jagdspinne Dolomedes erbeutet sie dort vor allem Insekten, bisweilen aber auch kleine Fische.

Erwachsene Weibchen sind mit drei bis vier Gramm Körpergewicht so schwer wie eine kleine Spitzmaus. Bevor die Wissenschaftler solche Spinnen durch leichte Berührung zum Absprung animierten, manövrierten sie eins der beiden Hinterbeine auf eine winzige Kraftplattform. Deren Messungen zeigten, dass die massige Spinne Während sie ihre Hinterbeine hydraulisch streckt, aktiviert sie gleichzeitig ihre Beugemuskeln im Hüftbereich derart, dass sich die Füße kraftvoll vom Boden abstoßen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Dino mit vier Flügeln Der Albatros unter den Raubsauriern

Konnten sie tatsächlich fliegen oder sind sie eher von Bäumen herabgesegelt? Jetzt wurde ein geflügelter Dinosaurier aus der Gruppe der Microraptoren entdeckt, der zeigt, dass nicht nur kleine Exemplare mit aerodynamischer Fortbewegung experimentierten. Mehr

15.07.2014, 18:03 Uhr | Wissen
Schlafende Honigbienen Spätes Glück im Arbeiter- und Schläferstaat

Auch ein Bienenvolk braucht mal Ruhe. Würzburger Forscher haben das wohlorganisierte Schlafverhalten im Stock enthüllt. Nicht alles, was die Wärmebildkameras zeigen, klingt jedoch nach Erholung. Die Jungbienen jedenfalls sind zu bedauern. Mehr

16.07.2014, 11:08 Uhr | Wissen
400 befreite Kinder Hungrig, verwahrlost, zum Betteln gezwungen

Nach der Befreiung von mehr als 400 Kindern aus einem Heim in Mexiko werden weitere Details über die Zustände in der Einrichtung bekannt. Die Kinder, die zwischen Müll lebten, sollen immer wieder ohne Essen und Trinken in Zellen gesperrt worden sein. Mehr

17.07.2014, 03:43 Uhr | Gesellschaft