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Soziale Insekten Vom Nutzen königlicher Polygamie

03.06.2008 ·  Im Insektenstaat pflanzt sich nur die Königin fort. Manche brauchen dafür kein Männchen, andere sind monogam, wieder andere lassen sich von mehreren Männchen befruchten. Nun hat man herausgefunden, dass am Anfang der Evolutionsgeschichte sozialer Insekten die Monogamie stand.

Von Diemut Klärner
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Ob Ameisenhaufen, Wespennest oder Bienenstock - in einem Insektenstaat ist die Fortpflanzung ein Privileg der Königin. Die übrigen Weibchen kümmern sich als sogenannte Arbeiterinnen fleißig um den königlichen Nachwuchs, produzieren selbst aber nur wenig oder gar keine Nachkommen. Auf den ersten Blick ist solch ein Verzicht verwunderlich. Schließlich gilt es doch nach den Spielregeln der Evolution, die eigenen Gene möglichst zahlreich an die nächste Generation weiterzugeben. Unter diesem Aspekt fahren die scheinbar so selbstlosen Arbeiterinnen allerdings oft nicht schlecht. Mit vereinten Kräften können sie eine Vielzahl von Geschwistern großziehen, die ihnen genetisch ebenso ähnlich sind wie eigene Kinder. Was freilich voraussetzt, dass alle dieselbe Mutter haben und denselben Vater.

Wenn unterschiedliche Väter ins Spiel kommen, geht die Rechnung nicht mehr auf. Dennoch sind die Königinnen nicht selten polygam. Bei jenen der südostasiatischen Riesen-Honigbiene (Apis dorsata) ist es sogar üblich, dass sie sich gleich mit mehreren Dutzend Drohnen paaren. Damit stellt sich die Frage nach den Familienverhältnissen, mit denen die Evolution von Insektenstaaten begonnen hat.

Polygamie Stärkung der Widerstandsfähigkeit

Den Nachweis, dass Monogamie am Anfang stand, lieferten kürzlich Wissenschaftler um William Hughes von der University of Leeds, Benjamin Oldroyd von der University of Sydney und Frank Ratnieks von der University of Sussex in Brighton ("Science", Bd. 320, S. 1213). In ihre Untersuchungen hatten sie 267 Arten von Bienen, Wespen und Ameisen einbezogen, die mehr oder minder große Familienverbände bilden. Wie die zugehörigen Stammbäume zeigen, stehen an der Basis stets monogame Arten. Bei Termiten und Fransenflüglern begnügen sich die Königinnen ohnehin fast immer mit einem einzigen Partner. Bei Blattläusen kommen sie sogar ganz ohne aus und vermehren sich durch Parthenogenese, auch Jungfernzeugung genannt.

Wenn überhaupt, etabliert sich Polygamie am ehesten in hochentwickelten Insektenstaaten, deren Arbeiterinnen ihre Fortpflanzungsfähigkeit fast vollständig eingebüßt haben. Solch unfruchtbaren Weibchen bleibt keine andere Wahl, als ihre Arbeitsleistung der Gemeinschaft zugutekommen zu lassen. Wenn die Königin den Familienkreis um zahlreiche Partner erweitert, müssen sie das notgedrungen in Kauf nehmen.

Dass eine ausgeprägte Promiskuität die genetische Vielfalt vergrößert, kann für das Wohl der gesamten Familie durchaus von Vorteil sein: Honigbienen werden auf diese Weise widerstandsfähiger gegen Krankheiten. Falls die Königin nur von einer einzigen Drohne begattet wurde, kann Paenibacillus larvae - der Erreger der Faulbrut - viel mehr Schaden anrichten als in Völkern mit einer polygamen Königin. Mit hoher Wahrscheinlichkeit verfügen dort zumindest einige Bienen über eine genetische Ausstattung, die sie vor dieser Krankheit schützt. Solche Arbeiterinnen können die destruktiven Bakterien wirkungsvoll in Schach halten. Sie müssen nur wachsam sein und infizierte Larven umgehend aus dem Bienenstock werfen.

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