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Schutzgebiete Natur pur auf jedem fünften Quadratkilometer?

 ·  Es war eine schwere Geburt. Doch jetzt steht Europas Lebensraum-Netzwerk „Natura 2000“ endlich kurz vor der Vollendung.

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In Brüssel wird es gerne „!das weltweit größte Netzwerk von Schutzgebieten“ genannt. Und wenn man sich die europäische Landkarte mit den ausgewiesenen „Natura-2000“-Gebieten ansieht, kommt man tatsächlich ins Staunen: Nicht weniger als 26 000 Einzelschutzgebiete summieren sich in den 27 Mitgliedstaaten zu knapp 18 Prozent der Landoberfläche der Europäischen Union. In diesem Jahr wird „Natura 2000“ zwanzig Jahre alt und steht nach Angaben der Behörden kurz vor der Vollendung - zumindest, was die Schutzgebiete auf dem Land betrifft. Meeresflächen werden erst seit wenigen Jahren aufgenommen.

Umstrittene Entscheidung

Grundlage der Ausweisung von Naturschutzgebieten in das Natura-2000-Netz ist die 1992 von damals noch zwölf EU-Mitgliedsstaaten vereinbarte Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) sowie die Vogelschutzrichtlinie. Von Anfang an gab es auch aus Naturschutzkreisen und wissenschaftlichen Gremien nicht nur Zustimmung. Die Idee, neben den nationalen Naturschutzgebieten europaweit ein Netz von Flächen auszuweisen, das natürliche Habitate kennzeichnet und vor dem beliebigen Zugriff etwa kommunaler Bauplaner schützt, war zwar als Fortschritt und als wichtiger Schritt gesehen worden hin zur Verwirklichung der 1979 unterzeichneten Berner Konvention über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere. Der bürokratische Aufwand und die Widerstände waren aber in zahlreichen Ländern (und sind es für viele umweltpolitisch sorglosere Staaten wie Griechenland bis heute) groß.

Auf der anderen Seite beklagten Naturschützer, dass die registrierten Schutzgebiete allein durch die Ausweisung keineswegs vor der Vernichtung oder Verbauung geschützt sind, obligatorische Schutzanforderungen waren nie damit verbunden. Lediglich in Frankreich etwa müssen mit der Zulassung als Natura-Gebiet auch zwingend Schutzgebietspläne vorgelegt werden.

Schwere Geburt

Das Netzwerk Natura 2000 wird von den meisten Experten, wie der französische Ökologe Douglas Evans in der neu gegründeten europäischen Zeitschrift „Nature Conservation“ schreibt, als ein „erster Schritt gesehen, die Lebensräume und die darin vorkommenden Arten zu schützen“. Bis Anfang des vorigen Jahrzehnts war die Umsetzung der Richtlinie von zahlreichen Verzögerungen, Verfahren und Drohungen gekennzeichnet gewesen. Auch die deutschen Bundesländer haben sich lange schwer getan mit der Flächenausweisung. 1995 wurde die erste Bewerbungstranche eingereicht. Inzwischen ist auch der deutsche Beitrag nahezu komplett: Mehr als fünftausend Einzelflächen, die mehr als 15 Prozent der deutschen Landfläche und 45 Prozent der Meeresküsten umfassen, sind inzwischen Teil von Natura 2000. Welche Gebiete aufgenommen wurden, lässt sich interaktiv verfolgen. Der deutsche Webdienst ist vom Bundesamt für Naturschutz  aufgebaut worden.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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