26.01.2004 · Wie sich Menschen in schwerelosem Zustand verhalten, ist bei vielen Raumflügen untersucht worden. Wie sich reduzierte Schwerkraft wie beispielsweise auf dem Mars auswirkt, soll an Mäusen erforscht werden.
Von Günter PaulWie sich Menschen in schwerelosem Zustand verhalten, ist bei vielen Raumflügen untersucht worden. Über die Auswirkungen von Schwerefeldern, die größer sind als jenes der Erde, geben Versuche mit Zentrifugen Auskunft. Wie die geringe Schwerkraft, die auf dem Mars herrscht, in fernerer Zukunft einmal das Leben und die Gesundheit von Astronauten auf diesem Planeten beeinträchtigt, ist dagegen bislang kaum bekannt. Wichtige Anhaltspunkte dafür könnte das im Jahr 2001 begründete "Mars Gravity Satellite"-Projekt liefern, an dem Forscher und Studenten des Massachusetts Institute of Technology, der University of Washington und der University of Queensland in Australien beteiligt sind.
Ziel des Projekts ist es, einen Satelliten, in dem eine Schwerkraft wie auf dem Mars herrscht, mit Mäusen als Passagieren in den Weltraum zu bringen. Der Raumflugkörper würde sich, einer Zentrifuge gleich, 34mal pro Minute um seine Achse drehen. Bei den vorgesehenen Größenverhältnissen wären die Mäuse dann in ihren Einzelkabinen an der Außenwand des Satelliten der gewünschten Schwerkraft von 0,38 g ausgesetzt, was etwa einem Drittel der irdischen Schwerkraft entspricht.
2006 verringerte Schwerkraft testen
Der Satellit könnte im Jahr 2006 verfügbar sein. Er würde die Erde ungefähr fünf Wochen lang umkreisen. Die Mäuse kämen am Ende dieser Mission in einer kleinen Kapsel, die im Gebiet von Woomera/Australien landete, zur Erde zurück.
Das Vorhaben soll dazu beitragen, Fragen in Zusammenhang mit dem Verlust an Muskel- und Knochenmasse zu beantworten sowie mit Änderungen der Knochendichte und Störungen im Innenohr, die das Gleichgewicht betreffen. Solche Effekte sind von der Schwerelosigkeit her bekannt. Außerdem interessieren sich die Wissenschaftler dafür, wie schnell sich Lebewesen, die einige Zeit im Schwerefeld des Mars gelebt haben, wieder an die irdische Schwerkraft gewöhnen.
Kameraüberwachung für Mäuse
Zur Ausrüstung des Satelliten sollen Kameras in allen Kabinen gehören, mit denen die Mäuse überwacht werden. Jede Kabine wird auch ihre eigene Trinkwasserversorgung haben, so daß sich der Wasserverbrauch der Tiere messen läßt. Die Analyse des Urins soll Auskunft über den Knochenschwund geben, und mit speziellen Körpersensoren wird das Gewicht der Mäuse überwacht. Als "Spielzeuge", die sie beschäftigt halten sollen, sind Holzstückchen vorgesehen, auf denen die Tiere herumkauen können. Laufräder allerdings werden nicht mit an Bord sein. Denn durch die Bewegung darin könnten Effekte der geringeren Schwerkraft, die man studieren will, aufgehoben werden, wodurch die Ergebnisse verfälscht würden.