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Pflanzen Die Titanenwurz kennt keinen Durst

16.01.2006 ·  Schon die Größe macht den erst 1878 entdeckten Titanenwurz zu einer äußerst ungewöhnlichen Pflanze. Ungewöhnlich ist auch die Wasserleitungssystem, das mit jeder Verstopfung fertig wird.

Von Diemut Klärner
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Der cremefarbene Blütenstand des Riesenaronstabs, Amorphophallus titanum, kann bis zu anderthalb Meter lang werden. Eingehüllt in ein Hochblatt, wächst er aus einer bis zu dreißig Kilogramm schweren Knolle. Zuvor jedoch entsprießt dem unterirdischen Speicherorgan ein grünes Blatt von der Größe eines Sonnenschirms mit einem bis zu vier Meter hohen Stengel. Im Jahre 1878 auf Sumatra entdeckt, zählt dieses absonderliche Gewächs zu den Glanzstücken Botanischer Gärten. Ungewöhnlich ist auch das Wasserleitungssystem der Titanenwurz, wie Zygmunt Hejnowicz von der Universität Katowice an zwei Exemplaren aus dem Botanischen Garten der Universität Bonn herausgefunden hat.

Wie bei einer raschwüchsigen und kurzlebigen Konstruktion zu erwarten, sind die Blattstiele materialsparend gebaut. Ein kompaktes Rohr, das die nötige Biegefestigkeit garantiert, umschließt ein schwammiges Gewebe mit luftgefüllten Hohlräumen. Über den gesamten Querschnitt verteilt, verbinden entsprechende Leitungsbahnen die Blattfläche mit den Wurzeln. Produkte der Photosynthese werden in sogenannten Siebröhren transportiert, während Wasser durch Tracheiden strömt. Hierbei handelt es sich um abgestorbene Zellen, von denen nur die röhrenförmigen Wände übriggeblieben sind. In den Blattstielen von Amorphophallus sind diese Bauelemente allerdings außergewöhnlich dimensioniert. Einige sind zwar so schlank wie allgemein üblich, bei einem Durchmesser von etwa einem hundertstel Millimeter aber ein bis drei Zentimeter lang ("Annals of Botany", Bd.96, S.407). Andere sind noch länger, wahrscheinlich bis zu zehn Zentimeter, und darüber hinaus auch dicker als alle bisher bekannten Tracheiden.

Überdimensionale Tracheiden

Wasserleitungen, die dank ihres beachtlichen Durchmessers schon mit bloßem Auge sichtbar sind, finden sich zwar auch bei anderen Pflanzen, im Eichenholz zum Beispiel. Doch diese sogenannten Tracheen gehen aus einer langen Reihe kürzerer Zellen hervor, die zu einer durchgehenden Röhre verschmelzen. So entstehen Leitungsbahnen mit großem Querschnitt und entsprechend hoher Transportkapazität. Amorphophallus erzielt ein ähnliches Ergebnis mit überdimensionalen Tracheiden, denen freilich alle Strukturen fehlen, die solche Röhren üblicherweise in Form halten. Statt ihre elastischen Außenwände mit starren Ringen oder Gittern zu versteifen, lassen sich die Tracheiden von außen stützen. Sie stecken gewissermaßen in einem lebenden Korsett aus vielen kleinen, prall gefüllten Zellen.

Mit Lignin verstärkt sind die Wände der großen Tracheiden nur da, wo sie mit ihresgleichen in Kontakt treten. Die dort plazierten Poren sind wasserdurchlässig, schließen sich aber wie ein Ventil, falls Luft in die Zelle eindringt. So wird verhindert, daß solch eine Embolie auf benachbarte Teile übergreift. Wenn eine Tracheide blockiert wird, kann der Wasserstrom immer noch durch die engen Röhren fließen, die neben den dicken verlaufen. Abgesichert durch diese robustere, wenn auch minder leistungsfähige Version der Tracheiden wird das gigantische Blatt offenbar stets ausreichend mit Wasser versorgt.

Quelle: F.A.Z., 17.01.2006, Nr. 14 / Seite 34
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