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Paläontologie Zuflucht für Dinosaurier

20.08.2003 ·  Von den übrigen Kontinenten seit langem isoliert, beherbergte Australien schon zu zeiten der Dinosaurier eine Fauna, die anderswo nicht ihresgleichen findet.

Von Diemut Klärner
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Von den übrigen Kontinenten seit langem isoliert, beherbergt Australien eine eigenartige Fauna, die anderswo nicht ihresgleichen findet. Ein Hort für urtümliche Lebensformen war dieser Kontinent schon zu Zeiten der Dinosaurier. Das zeigen neue Untersuchungen an einem Fossilfund aus der Kreidezeit. Die Knochen ließen sich einem Dicynodonten zuordnen, der vor rund 105 Millionen Jahren gelebt haben dürfte. Bislang hatten die Paläontologen angenommen, diese säugetierähnlichen Reptilien seien bereits vor mehr als 200 Millionen Jahren von der Erdoberfläche verschwunden.

Das kreidezeitliche Fossil stammt aus Queensland. Schon seit Juni 1915 lagert es in den dortigen Museumsbeständen. Doch erst kürzlich haben Tony Thulborn von der University of Queensland in St. Lucia und Susan Turner vom Queensland Museum in Brisbane die sechs Knochenfragmente wiederentdeckt und als Überreste eines Dicynodonten identifiziert ("Proceedings of the Royal Society of London", Teil B, Bd. 270, S. 985). Zu dieser Diagnose führte vor allem das Bruchstück eines linken Oberkiefers. Tief im Knochen ist dort einer jener charakteristischen Eckzähne verankert, denen die Dicynodonten ihren Namen verdanken.

Eher säugergleich als Reptil

Mit diesen Reptilien tummelte sich erstmals in der Erdgeschichte auch an Land eine Vielzahl stattlicher Pflanzenfresser, die ihrerseits diversen Fleischfressern ein Auskommen bot. Inwieweit die Dicynodonten ihre Körpertemperatur regulieren konnten und wie sie für ihren Nachwuchs sorgten, verraten die versteinerten Knochen zwar nicht. Doch in etlichen Details gleichen sie eher dem Skelett eines Säugers als dem eines Kriechtiers. Während die fleischfressenden Vertreter der säugerähnlichen Reptilien ein differenziertes Gebiß mit Schneide-, Eck- und Backenzähnen entwickelten, reduzierten die meisten Pflanzenfresser ihre Ausstattung auf zwei Eckzähne. Manche waren sogar völlig zahnlos und begnügten sich wie Schildkröten und Vögel mit der hornigen Schneide ihrer Kiefer.

Abnutzungsspuren deuten darauf hin, daß einige Dicynodonten ihre Eckzähne bei der Nahrungssuche verwendeten. Andere benutzten die eindrucksvollen Hauer vermutlich als Waffen im Kampf mit Rivalen. Was ihr kreidezeitlicher Nachfahre damit angestellt haben mag, ist eine offene Frage. Zu fragmentarisch ist der Fossilfund. Neben dem Oberkiefer samt Eckzahn gleicht auch das Nasenbein dem entsprechenden Knochen von Dicynodonten, die mehr als 100 Millionen Jahre früher gelebt haben. Die übrigen vier Puzzleteile sind minder aussagekräftig, fügen sich aber ein in das Gesamtbild eines etwa 40 Zentimeter langen Schädels. Vermutlich sind es Überreste eines Tiers von der Statur eines kleinen Nashorns. Nach Einschätzung der Forscher besetzten die kreidezeitlichen Dicynodonten in Australien eine ähnliche ökologische Nische wie Triceratops und seine Verwandten auf anderen Kontinenten. Diese Dinosaurier waren ebenfalls massige Pflanzenfresser mit einer Art Hornschnabel.

Anachronistisches Australien

Australien beherbergte in der Kreidezeit ein eher anachronistisch anmutendes Sortiment von Dinosauriern. Auf einem Landzipfel, der nur selten mit den übrigen Landmassen verbunden war, fanden wohl auch die Letzten vom Stamm der Dicynodonten ein Refugium. Wie sich diese typischen Reptilien des späten Perm und der frühen Triaszeit in Australien weiterentwickelten, nachdem sie anderenorts längst ausgestorben waren, wird allerdings ein Rätsel bleiben. Denn in der fossilen Überlieferung klafft eine gewaltige Lücke. Was sich von der mittleren Trias bis zum Ende des Jura in australischen Landen tummelte, hat kaum eine Spur hinterlassen. Den Paläontologen bleibt daher nur die Hoffnung auf weitere Funde aus der frühen Kreide. Das wiederentdeckte Fossil stammt allerdings aus Meeressedimenten, die nur wenige Überbleibsel von Landbewohnern bergen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2003, Nr. 193 / Seite 30
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