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Sonntag, 19. Februar 2012
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Neumayer III Deutsche Antarktisstation eröffnet

20.02.2009 ·  Auf dem ewigen Eis der Antarktis ist die deutsche Forschungsstation Neumayer III eröffnet worden. Künftig können dort neun Forscher überwintern. Die Baukosten lagen bei rund 39 Millionen Euro.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Störungsfrei liefen die Arbeiten auf der südlichsten Baustelle Deutschlands nicht. Bei Außentemperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius (im Sommer) und orkanartigen Stürmen hatten die Polarforscher vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven auch nichts anderes erwartet. Im Zeitplan für die neue Antarktisstation Neumayer III war daher eine Reserve von 30 Prozent einkalkuliert. Sie war schon vor einem Jahr aufgebraucht. Am Freitag konnte das deutsche Prestigeobjekt leicht verspätet, aber noch rechtzeitig zum Ende des vierten Internationalen Polarjahrs (März 2007 bis März 2009) und vor dem langen antarktischen Winter eröffnet werden. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) gratulierte und sprach von einem „Meisterwerk der Ingenieurskunst".

Tatsächlich überragt Neumayer III seine beiden Vorgänger in jeder Hinsicht. Vor 28 Jahren wurde die erste der nach dem deutschen Polarforscher Georg von Neumayer benannten Stationen auf dem Ekström-Schelfeis im südlichen Polargebiet gebaut. Nur elf Jahre später musste aber schon Neumayer II zehn Kilometer vom alten Standort entfernt in Betrieb genommen werden. Nach weiteren 17 Jahren ist - bei einem jährlichen Schneezutrag von 80 Zentimetern - auch diese Röhrenkonstruktion mittlerweile 15 Meter unter der Oberfläche versunken. Da das Eis zudem ständig in Bewegung ist und hohen Druck ausübt, ist die Station inzwischen so stark verformt, dass die Wissenschaftler nicht mehr sicher arbeiten können.

Markantes Stahlgebäude auf 16 Stelzen

Neumayer III ist eine vollkommen neue Konstruktion. Das markante Stahlgebäude steht auf 16 Stelzen, die hydraulisch angehoben werden können. In Schnee und Eis soll die in Fachwerkbauweise errichtete Station nicht mehr versinken. Gefertigt und teilweise vormontiert wurde ein großer Teil von Neumayer III im mehr als 13 000 Kilometer entfernten Bremerhaven. Dort begann am 16. November die Reise von rund 3500 Tonnen Material auf dem dänischen Schiff „Naja Arctica“. Einen Monat später sollte die Fracht an der Schelfeiskante der Atka-Bucht in der Antarktis anlangen. Der Termin konnte zwar eingehalten werden, doch eine mehrere Meter dicke Meereisbarriere verhinderte das Entladen der Bauteile. Erst einen weiteren Monat später, am 16. Januar 2008, konnte der eigens dafür an den Südpol entsandte Forschungseisbrecher „Polarstern“ eine Fahrrinne freimachen.

Durch die Verzögerung war der Zeitplan des Projekts stark gefährdet - an der Station kann nur in den antarktischen Sommermonaten November bis März gearbeitet werden. Schon am 10. März 2008 mussten die letzten am Aufbau beteiligten Personen die Antarktis verlassen. Die erste Bauphase wurde noch abgeschlossen. In sieben Wochen war das gesamte Untergeschoss - der Graben unterhalb der Station ist 8,20 Meter tief - mit den 16 Fundamentplatten und der Garagenzufahrt fertiggestellt. Danach blieben nur die üblichen neun „Überwinterer“ am Südpol - ein letztes Mal in der etwa 6,5 Kilometer nördlich gelegenen Neumayer-II-Station.

Bau kostete rund 39 Millionen Euro

Seit November wurde der Rest von Neumayer III hochgezogen. Zwischenzeitlich befanden sich mehr als 50 Mann im Baucamp, nicht eingerechnet die mehr als 50 Wissenschaftler und Techniker, die den Forschungsbetrieb der alten Station aufrechterhielten. Wie bei einem Fachwerkhaus wurde ein Stahlskelett auf die 68 Meter lange und 24 Meter breite Plattform montiert, danach 100 Container eingesetzt. Zuletzt wurden 573 Außenpaneele als Fassade angebracht. Am 11. Januar wurde Richtfest gefeiert.

Neumayer III ist schon von weitem zu sehen. Die Gesamthöhe der Konstruktion beläuft sich auf 29,20 Meter. Insgesamt verfügt die Station über rund 4473 Quadratmeter geschützte Nutzfläche (auf vier Stockwerken), 1850 Quadratmeter sind klimatisiert. Hier leben und arbeiten die Wissenschaftler. Unter anderem können sie nun bequem vom Dach aus täglich Ballons mit Ozonmessgeräten aufsteigen lassen zur Erforschung des Ozonlochs über der Antarktis. Bislang mussten sie täglich um die Mittagszeit die Station dafür verlassen und sich selbst im Winter einige 100 Meter weit zu ihrem Labor für Radiosondenaufstiege durchschlagen. Auch Langzeitveränderungen des magnetischen Feldes der Erde werden in der Station gemessen, Erdbeben werden erfasst. Die Forscher spüren klimawirksamen Gase nach und sogar Nukleartests in aller Welt.

Der Bau von Neumayer III kostete rund 39 Millionen Euro - 14 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Der größte Teil der Mittel wurde vom Bundesforschungsministerium finanziert, allerdings sind auch die Bundesländer Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein beteiligt. An Neumayer IV denkt derzeit noch niemand. Die neue Station hat vermutlich eine doppelt so lange Betriebszeit wie Neumayer II. Realistisch seien 25 bis 30 Jahre - abhängig davon, wie schnell das Eis fließt.

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