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Neophyten : Bereicherung der Fauna

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Eichhörnchen: In England rigoros vom Grauhörnchen verdrängt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ob im Wasser oder auf dem Land: Einwandernde Tier- und Pflanzenarten bedrohen die vorherrschende Artenvielfalt. Dies zu verhindern bedeutet intensive Arbeit, zumal die Fremdlinge oft nicht sofort entdeckt werden.

          Mandarinente und Marderhund, Wandermuschel und Wollhandkrabbe - das Sortiment der Neozoen ist vielgestaltig. Zu diesen „Neu-Tieren“ rechnen die Biologen alle Arten, die nach 1492 ins Land gebracht wurden und dann hier heimisch geworden sind. Dazu gesellten sich neue Pflanzen, die Neophyten.

          Zwar wurden Flora und Fauna auch vorher schon durch Mitbringsel bereichert, die Römer etwa hatten Eßkastanien und Kaninchen im Gepäck. Doch seit Christoph Kolumbus in Amerika landete, gibt es zunehmend mehr Mitfahrgelegenheiten für reiselustige Pflanzen und Tiere. Entsprechend groß ist die Zahl der Neophyten und Neozoen. Auf jeder der beiden Listen stehen hierzulande mehr als tausend Arten. Einige entpuppen sich als fragwürdige Bereicherung. Wo sie sich breitmachen, bedrängen sie alteingesessene Tiere und Pflanzen.

          Artenschutz völkerrechtlich vorgeschrieben

          Um diese als invasiv bezeichneten Arten ging es in der vergangenen Woche auf einer Tagung in Göttingen, veranstaltet von Wissenschaftlern der dortigen Universität, der Technischen Universität Berlin und dem Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Biologische Invasionen gelten als wichtige Ursache des globalen Artensterbens. Auf eine internationale Agenda kamen sie 1992 während der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro. Das „Übereinkommen zum Schutz der Biologischen Artenvielfalt“ schreibt seither völkerrechtlich fest, daß Naturschutz auch die Kontrolle und Bekämpfung invasiver Arten einschließt. Im Jahr 2000 verpflichteten sich die Vertragsstaaten, entsprechende nationale Strategien zu entwickeln. Hierzulande haben die Zugereisten noch keine Tier- oder Pflanzenart zum Aussterben gebracht. Anlaß für eine völlige Entwarnung ist das allerdings nicht.

          Wie Ingo Kowarik von der Technischen Universität Berlin erläuterte, haben sich von all den Pflanzen, die hier eine neue Heimat fanden, nur rund dreißig als invasiv erwiesen. Am berüchtigsten ist wohl der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) aus dem Kaukasus. Wenn man ihm zu Leibe rücken will, muß man wie bei anderen invasiven Arten etliche Jahre einplanen, damit nicht alle Mühe vergebens ist. Daß sich die unerwünschten Gewächse erfolgreich zurückdrängen lassen, schilderte Hermine Hecker aus Hamburg. Mit Unterstützung des Bezirksamts Wandsbek läuft dort seit 1998 ein Pilotprojekt. Einschlägige Informationen über Einwanderer aus dem Pflanzenreich bietet das Bundesamt für Naturschutz im Internet an (www.neophyten.de).

          Pflanzen besser erforscht als Tiere

          In der Schweiz, so berichtete Sibylla Rometsch von der dortigen Kommission für die Erhaltung von Wildpflanzen, wurde ein spezielles Bewertungsschema für die Risikoabschätzung entwickelt (www.cps skew.ch). Daraus ergab sich eine „Schwarze Liste“ von 20 Neophyten, auf der neben dem Riesen-Bärenklau beispielsweise der Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) steht. Denn in der Schweiz begnügt sich dieser auch Sommerflieder genannte Zierstrauch nicht mit Brachflächen im Stadtbereich. Mancherorts erobert er Kiesbänke in naturnahen Flußauen und verdrängt dort die angestammte Flora.

          Daß Pflanzen besser erforscht sind als Tiere, ist kein Wunder. Die wenigsten Neozoen sind so spektakulär wie der Halsbandsittich, der mit seinem grasgrünen Federkleid und knallroten Schnabel manchem Park im Rheinland ein exotisches Flair verleiht, oder der straußenähnliche Nandu, der sich in der Wakenitz-Niederung südlich von Lübeck tummelt. Waschbär und Marderhund sind zwar weit verbreitet, aber selten zu sehen, weil sie im Schutz der Dunkelheit umherstreifen.

          Machtlos gegen einwandernde Tierarten

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