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Natur Deutschland kriegt die Motten

23.04.2005 ·  Seit Jahren haben es Schädlinge ganz besonders auf die Roßkastine abgesehen. Mit der ersten Frühlingswärme beginnen die Motten auch jetzt wieder mit ihrem Angriff auf den Baum des Jahres 2005.

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Mit der Frühlingswärme zeigen sich die Bäume wieder im satten Grün. Zugleich beginnt aber auch die Zeit der Schädlinge. Von den Plagegeistern seit Jahren besonders betroffen ist die Roßkastanie. Der „Baum des Jahres 2005“ wird nach Angaben von Pflanzenschutzexperten bundesweit schon von den ersten Miniermotten, die spätestens im August überall für braune abgestorbene Blätter sorgen, angeflogen.

Experten des Berliner Pflanzenschutzamtes entdeckten in den vergangenen Tagen die ersten Eindringlinge in so genannten Monitoringfallen. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem ähnlich starken Befall der Bäume wie 2004“, sagt Diplom-Gärtnerin Barbara Jäckel im ddp-Interview. „Und die Motten haben gut überwintert“, befürchtet sie noch Schlimmeres. Bei einem warmen Mai könnten die Tiere eine richtige Plage werden. 2004 gab es in der Hauptstadt - wie vielerorts im Bundesgebiet - kaum eine Kastanie, die nicht schon im Sommer kahl gewesen wäre. In manchen Fallen wurden da bis zu 15 000 Motten gezählt, wie Jäckel sagt.

Der Kampf gegen die Schädlinge läuft seit Jahren

Die Berliner Pflanzenschutzexperten bekämpfen seit Jahren diese Schädlinge. Seit 2003 läuft bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in Kooperation mit der Technischen Fachschule Berlin ein entsprechendes Forschungsprojekt, das noch bis Ende 2006 läuft. Dabei blickten die Fachleute auch über den „Gartenzaun“ zu anderen Einrichtungen in Deutschland und Europa, um den Schädling künftig vielleicht wirkungsvoller vernichten zu können. In Wien beispielsweise werden Jäckel zufolge die Bäume chemisch behandelt.

In Berlin seien rund 1.000 Versuchsbäume als Todesfallen für die Miniermotten eingerichtet worden, sagt Jäckel. Sexual-Duftstoffe (Pheromone) locken die Männchen an, die dann an einem Pflanzenschutzmittel eingehen. Ob dieses Prinzip letztlich erfolgreich sei, müsse sich noch zeigen, sagte die Diplom-Gärtnerin. Als bislang wirkungsvollste Gegenmaßnahme habe sich das Aufsammeln und Verbrennen des Herbstlaubs erwiesen, denn darin überwintern die Puppen.

„Die Miniermotten töten die Bäume zwar nicht, schwächen sie aber“, weiß der Gründer und Vorsitzende des Kuratoriums „Baum des Jahres“, Silvius Wodarz. Die Roßkastanie, die viele Alleen säumt und in Städten weit verbreitet ist, kämpft seit langem mit dem Schädling, der sich „sauwohl fühlt, weil er keinen natürlichen Feind kennt“. Das nur fünf Millimeter große Insekt habe sich über fast ganz Europa ausgebreitet.

In Deutschland erster Befall der Roßkastanie 1993 bei Passau

Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wurde Cameraria ohridella 1984 erstmals in Mazedonien entdeckt. Wie sie dort hinkam, ist bis heute nicht geklärt. Fünf Jahre später trat die Miniermotte erstmals in Österreich auf und verbreitete sich von dort aus in wenigen Jahren über weite Teile Zentral- und Osteuropas. In Deutschland wurde der erste Befall der Roßkastanien 1993 bei Passau in Bayern nachgewiesen.

Trotz der Probleme mit der Miniermotte sollte nach SDW-Einschätzung künftig nicht auf das Pflanzen von Roßkastanien verzichtet werden. Die ästhetisch aussehenden Bäume gehörten in die Städte und Parkanlagen. Deshalb werden in vielen Bundesländern zum Tag des Baumes am Montag neue Roßkastanien gepflanzt.

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