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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Die Augen sind der Seele klare Fenster, heißt es bei Heinrich Heine. Hier sind es die von Lucu. Er wird im Februar elf Jahre alt. Sein Vater war noch ein Wildfang aus dem indonesischen Dschungel und starb im Oktober 2014 im (für Orang-Utans) biblischen Alter von 57 Jahren. Bild: Frank Röth

Orang-Utans und die übrigen großen Menschenaffen stehen uns emotional und biologisch näher als alle anderen Tiere. Müssten wir sie dann nicht auch entsprechend behandeln?

          Der Mann im Zoo von Barcelona hält eine Kastanie hoch, lässt sie in einem Plastikbecher verschwinden, den er mit einem Deckel verschließt. Neben ihm sitzt - hinter einer Glasscheibe - ein junger Orang-Utan und verfolgt aufmerksam das Geschehen. Der Mann schüttelt den Becher, lässt dabei unauffällig die Kastanie herausfallen und präsentiert dem Affen das leere Gefäß. Der stutzt zunächst, dann bricht er in Gelächter aus. Er kippt um vor Lachen und wälzt sich auf dem Boden. Süß, nicht?

          Im Zoo von Omaha im amerikanischen Bundesstaat Nebraska albert eine Familie vor dem Gorillagehege herum. Die kleine Tochter imitiert einen Affen und trommelt sich mit den Fäusten auf die Brust, sie lacht. Ein Gorilla, der direkt an der Scheibe sitzt, nimmt das stoisch zur Kenntnis. Doch im Hintergrund registriert auch das Männchen Kijito die Besucher. Es kommt herangeschlendert, nimmt plötzlich Anlauf und wirft sich mit seinen 170 Kilogramm gegen die Glasscheibe. Die bekommt Risse, hält aber. Beängstigend, oder?

          Das dreijährige Orang-Kind Sayang (rechts) und sein großer Bruder Lucu im Frankfurter Zoo Bilderstrecke
          Das dreijährige Orang-Kind Sayang (rechts) und sein großer Bruder Lucu im Frankfurter Zoo :

          Damit könnte man ganze Winternachmittage auf Youtube verbringen: Ein Baby-Gorilla, der mit einem kleinen Jungen verstecken spielt. Ein Orang-Utan, der mit Schwamm und Putzwasser die Fliesen in seinem Gehege schrubbt. Ein Gorilla, der mit einem Zoobesucher auf dessen Smartphone Bilder seiner Artgenossen anschaut. Ein Schimpanse, der auf der Playstation daddelt - die Liste ist endlos, und hat ihr Publikum. Mehr als zwölf Millionen Mal ist das Video mit dem Zaubertrick angeschaut worden - innerhalb einer Woche, nachdem es hochgeladen worden war. Den „Aggro-Gorilla“ aus Omaha, wie ihn die österreichische Boulevardpresse nannte, sahen seit der Veröffentlichung des Videos im April letzten Jahres mehr als 31 Millionen Menschen.

          Unheimlich ähnlich

          Auch Katzen, Pandababys und Otter machen zuweilen seltsame Sachen. Auch das wird gefilmt, auch das wird geguckt. Aber Katzen, Pandababys und Otter können wir mit einer Art erhabenen Distanz beobachten. Die Arroganz des Klügeren lässt uns gutmütig „Och, wie niedlich!“ rufen. Das tun wir zwar ebenfalls, wenn ein Schimpansenbaby sich an seine Mutter klammert. Und doch mischt sich hier in die Begeisterung oft ein leichter Grusel - weil die Geste, mit der die Mutter ihrem Sprössling liebevoll über den Kopf zaust, uns so wahnsinnig bekannt vorkommt.

          Wie ähnlich ist der Affe dem Menschen? Genauer: Wie ähnlich ist ihm der Menschenaffe? Diese Frage beschäftigt Forscher seit fast zwei Jahrhunderten. Allein die Tatsache, dass der Homo sapiens sich für die Bezeichnung Menschenaffe entschieden hat, legt nahe, dass er in Mimik, Gestik und Verhalten der großen Affen ein Stück weit sich selbst erkennt. Wissenschaftliche Theorien dazu, dass die Ähnlichkeit nicht nur gefühlt ist, gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Naturforscher stritten damals heftig um die Ursprünge des Menschen. Als Charles Darwin 1871 in seinem Buch „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ darlegte, was schon andere vor ihm vermutet hatten, nämlich dass Mensch und Affe miteinander verwandt seien, war die Empörung zunächst groß. Damals wie heute deuten viele diese Theorie als „Der Mensch stammt vom Affen ab“. Das aber ist schlichtweg falsch. Der Affe ist kein Vorfahre des Menschen, vielmehr gibt es einen gemeinsamen Vorfahren von Affe und Mensch.

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