21.11.2007 · Blitzlichtgewitter: Der achtarmige Kalmar Taningia danae kann im Dunkeln offenbar nicht treffsicher genug zupacken. Deshalb ruft er seine Leuchtorgane um Hilfe. Diese dienen möglicherweise auch dem Blenden seiner Beute.
Von Diemut KlärnerIn der Tiefsee tummelt sich ein reichhaltiges Sortiment an eigenartigen Tintenfischen, darunter der achtarmige Kalmar Taningia danae. Einige Exemplare – das stattlichste 2,3 Meter lang und 61 Kilogramm schwer – sind in Fischernetzen ans Tageslicht gekommen. Über ihre Lebensweise ist noch wenig bekannt. Wissenschaftler um Tsunemi Kubodera vom Staatlichen Museum für Naturwissenschaften in Tokio konnten aber unlängst beobachten, wie dieser Tintenfisch Beutetiere attackiert („Proceedings of the Royal Society“, Teil B, Bd. 274, S. 1029).
Wie andere große Kalmare schwimmt auch Taningia schwerelos durch die dunklen Tiefen der Ozeane. Das Gewebe hat dieselbe Dichte wie das Wasser, denn es birgt zahlreiche Tröpfchen, die mit Ammoniak angereichert sind. Entsprechend aufgebläht, wirkt die Muskulatur schlaff und schwammig. Deshalb gelten die Tiefseebewohner unter den Tintenfischen als wenig bewegungsfreudig. Dass sie zu Unrecht im Ruf der Trägheit stehen, zeigten die Kalmare in der Umgebung der Ogasawara-Inseln. Dort wurde eine Videokamera wiederholt bis zu tausend Meter tief ins Meer hinabgelassen. Ein Dutzend Mal gelang es, ansehnliche Vertreter von Taningia danae anzulocken. Manche griffen nach dem Fisch, der als Köder diente. Andere stürzten sich auf die Beleuchtung oder das Gestell der Videokamera, wobei sie Geschwindigkeiten bis zu neun Kilometer pro Stunde erreichten.
Nach Art der Rochen
Üblicherweise schwimmen Tintenfische mit Rückstoß, indem sie Wasser aus ihrer Mantelhöhle pressen. Der Kalmar Taningia benutzt dagegen seine großen seitlichen Flossen. Nach Art der Rochen versetzt er sie in wellenförmige Bewegungen. Er kann ebenso schnell vorwärts wie rückwärts schwimmen und mit seinem biegsamen Körper geschickt in alle Richtungen ausweichen. Unmittelbar vor dem Angriff lässt er die Leuchtorgane an der Spitze seiner Arme aufblinken. Dass dabei die Szenerie ein bis zwei Sekunden lang in verhältnismäßig helles Licht getaucht wird, hilft vermutlich beim zielsicheren Zupacken. Womöglich wird das Beutetier auch geblendet und dadurch an der Flucht gehindert.