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Marienkäfer aus Fernost Vom Nützling zum Schädling

Marienkäfer bringen Glück, so heißt es. Wenn sie aber zu Tausenden anrücken, werden sie zu Störenfrieden. Der asiatische Vetter der heimischen Käferart ist weiter auf dem Vormarsch und erobert Europa.

© AP Photo/CP, Windsor Star - Jason Kryk Vergrößern Harmonia axyridis, die asiatische Variante des heimischen Marienkäfers.

Etwas überrascht war Volker Weisel schon von seinen neuen Hausgenossen. Im Februar fielen sie unerwartet auf dem Lindenhof ein, den Weisel als Nebenerwerbsbauer bewirtschaftet. Immer mehr Marienkäfer sammelten sich im Wohnzimmer, obwohl es draußen noch viel zu kalt für den Insektenflug war. "Die krabbelten am Fenster rum, saßen unter der Lampe, irgendwo war immer einer." Familie Weisel war anfangs noch darauf bedacht, sie behutsam wieder ins Freie zu setzen; schließlich weiß jedes Kind, dass Marienkäfer zu den Nützlingen gehören. Irgendwann kam ihnen die Sache aber dann doch spanisch vor. Und so brachte der Hausherr einige Exemplare mit ins Institut für Phytopathologie der Universität Gießen, wo er hauptberuflich angestellt ist. Dort war der vermeintliche Glücksbringer schnell entlarvt: 19 schwarze Punkte auf den roten Flügeln und das schwarze "M" auf seinem weißen Halsschild wiesen ihn eindeutig als einen Vertreter der asiatischen Käferart Harmonia axyridis aus.

Der Vetter aus Fernost ist etwas größer als der beliebte heimische 7-Punkte-Marienkäfer und verfügt über eine erstaunliche Formenvielfalt. Anders als sein europäischer Verwandter ist er wenig wählerisch, was seine Nahrung betrifft. Neben Blattläusen frisst er auch Blattflöhe, Gallenläuse und Schildläuse. Und genau aus diesem Grund wurde er schon 1916 aus seiner asiatischen Heimat zum Zwecke der biologischen Schädlingsbekämpfung in die Vereinigten Staaten exportiert. Auch nach Europa kam er nicht etwa als blinder Passagier, sondern wurde ganz bewusst eingeführt, und zwar zum ersten Mal 1982 nach Südfrankreich, dann nach Belgien und in die Niederlande. Von dort gelangte er schließlich über den Versandhandel auch nach Deutschland, wo er unter Gärtnern als biologische Alternative zum Chemikalieneinsatz in der Gewächshauskultur gilt.

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Die einheimische Art wird verdrängt

Harmonia axyridis aber hielt es nicht lange im Gewächshaus. Inzwischen geht er längst auf Beutefang in freier Wildbahn. Dort erweist er sich als höchst anpassungsfähiger Opportunist ohne spezielle Ansprüche an Lebensraum und Nahrung. Hat er erst einmal alle Blattläuse weggefressen, macht er sich hemmungslos über die Larven anderer Nützlinge her, verschmäht auch pflanzliche Kost nicht und frisst schließlich sogar die Larven seiner europäischen Verwandten.

Marienkäfer Ginkgo-Blatt © picture-alliance/ dpa Vergrößern Ein Exemplar der heimischen Variante des Marienkäfers

"Der asiatische Marienkäfer zeigt ganz eindeutig die Tendenz, einheimische Arten zu verdrängen", sagt der Entomologe Andreas Vilcinskas vom Institut für angewandte Zoologie der Uni Gießen. Das zeigte sich schon in Nordamerika, wo die erste frei lebende Population von Harmonia axyridis zwar erst 1988 in Louisiana entdeckt worden war. Doch innerhalb weniger Jahre gelang es ihr, sich von dort aus bis nach Florida und Kanada auszubreiten. In Europa dauerte es weniger lange: 15 Jahre nach der Einfuhr fand sich der asiatische Marienkäfer 1997 bereits im belgischen Freiland. Um die Jahrtausendwende herum trat er dann erstmals im Rhein-Main-Gebiet und in Hamburg auf.

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