15.04.2006 · Von wegen Wonnemonat Mai: Alle drei bis fünf Jahre werden die deutschen Wälder von Maikäfern heimgesucht und hektarweise kahlgefressen. Allerdings ist die Plage in diesem Jahr regional begrenzt - vor allem Südhessen ist betroffen.
„2006 wird ein Hauptflugjahr für den Maikäfer“, sagte der Biologe Alfred Wulf. Betroffen seien vor allem die Wälder im südlichen Hessen. Auf rund 20.000 Hektar der nördlichen Oberrheinebene gebe es starken Befall. Die Waldmaikäfer sitzen derzeit einen halben Meter tief in den Böden und graben sich an die Oberfläche. Demnach werden die Insekten - sollte es nicht schlagartig warm werden - nicht vor der ersten Maiwoche in Massen ausschwärmen.
In Südhessen steht bereits zum sechsten Mal eine Maikäfer-Invasion bevor: Seit 1986 werden immer größere Flächen befallen. In diesem Jahr sind nach Angaben von Fachleuten rund 9000 Hektar in den Forstämtern Lampertheim und Darmstadt betroffen. Kälte und Schnee haben die robusten Insekten in ihren Winterquartieren 40 Zentimeter tief im Boden gut überstanden.
Der Maikäfer ist sehr selten geworden
„Es gibt keinerlei Hinweise, daß mehr als zehn Prozent der Engerlinge durch Krankheiten getötet wurden“, sagte Horst Gossenauer-Marohn vom Landesbetrieb Hessenforst. Sobald die Frühlingssonne ein paar Tage lang für Temperaturen von mehr als 16 Grad sorgt, krabbeln die Maikäfer an die Oberfläche, fliegen die nächsten Bäume an und beginnen die Blätter zu fressen.
Eine Maikäferplage wie in Hessen ist nach Expertenangaben im ebenfalls betroffenen Spessart-Gebiet nicht zu erwarten. Der Flug der Insekten sei nur punktuell. Der Maikäfer sei vielmehr sehr selten geworden. Zuletzt habe es in Bayern einen Maikäferflug 2003 und 1999 gegeben, aber immer auf eine isolierte Fläche beschränkt.
Kein wirksames Mittel
„In Nord- und Ostdeutschland spielen Maikäfer überhaupt keine Rolle“, sagte die Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) beim Landesverband Berlin, Kathrin Klinkusch. Auch in Rheinland-Pfalz bleiben Maikäferschwärme in diesem Frühling aus.
Maikäferschwärme können ganze Laubwälder kahl fressen, gesunde Bäume erholen sich aber wieder davon. Die Insekten sterben nach wenigen Wochen, wenn sie sich gepaart und Eier gelegt haben. Die größten Schäden richten die im Boden lebenden Engerlinge an, weil sie Baumwurzeln fressen. Alle drei bis fünf Jahre gibt es ein Flugjahr, denn so lange brauchen die Insekten, um sich vom Ei zum Käfer zu entwickeln. Ein zugelassenes Mittel gegen Maikäfer gibt es nicht.