Home
http://www.faz.net/-gx4-6xopi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Madagaskar: eine Bildergalerie Das kleinste Reptil der Welt

15.02.2012 ·  Ein deutsch-amerikanisches Biologenteam hat auf einer kleinen Insel im Norden Madagaskars ein unbekanntes Zwergchamäleon entdeckt. Eine zoologische Sensation.

Von Joachim Müller-Jung
Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (4)

Diese Insel ist ein tropischer Salon märchenhafter Kreaturen: Madagaskar, vor der ostafrikanischen Küste im Indischen Ozean gelegen und in der Größe vergleichbar mit Frankreich, wartet mit neuen zoologischen Superlativen auf: Zu den 127 Froscharten und 112 neu beschriebenen Reptilienspezies, die allein in den letzten zwei Dekaden dort entdeckt worden sind (hierzulande gibt es 22 Amphibien- und 13 Reptilienarten), zählt nun auch das kleinste bekannte Reptil der Welt dazu.

Madagaskar superlativ: Von Zwergen und Giganten

Die Entdecker selbst, ein deutsch-amerikanisches Team, leisten auf der viertgrößten Insel der Welt Rekordverdächtiges: Zusammen haben Frank Glaw von der Zoologischen Staatssammlung München, Jörn Köhler vom Hessischen Landesmuseum Darmstadt und Miguel Vences von der Technischen Universität Braunschweig seit Anfang der neunziger Jahre an die zweihundert neue Arten entdeckt - bei mittlerweile rund dreihundert Frosch- und vierhundert Reptilarten. Und damit dürfte noch nicht Schluss sein. Immer wieder entdecken sie auf ihren Expeditionen zum Festland oder zu einer der 250 vorgelagerten Inseln aufregend Neues. Auf dem vor 165 Millionen Jahren von Afrika und vor mindestens achtzig Millionen Jahren von Indien getrennten Eiland haben sich Pflanzen und Tiere entwickelt, die in der großen Mehrzahl nirgendwo anders vorkommen. Oft sind die mosaikartigen Verbreitungsgebiete klein und die Tiere damit extrem selten.

Das kleinste Zwergchamäleon etwa ist wie andere dieser Winzlinge nur auf einer zerklüfteten Kalkfelsinsel im Norden gefunden worden. Es lebt wie alle Zwergchamäleons, die möglicherweise den evolutionären Vorläufern der großen Chamäleons ähneln, tagsüber getarnt unter Gestrüpp. Nachts klettert es zum Schutz an Pflänzchen hoch und lässt sich fünf bis zehn Zentimeter höher auf den Blättern zur Nachtruhe nieder. Neben der extremen Miniaturisierung, für die auch die nur zwölf Millimeter lange Froschart Stumpffia pygmaea steht, ist Madagaskar bekannt für seine Riesenarten: Das Parsonii-Chamäleon wird fast einen dreiviertel Meter lang, der Blattschwanzgecko Uroplatus giganteus mehr als dreißig Zentimeter.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

Jüngste Beiträge

Das Gespenst Gentechnik geht

Von Joachim Müller-Jung

Während fast überall auf der Welt neue Nutzpflanzen gezüchtet werden, sinkt das Interesse für die grüne Gentechnik in Deutschland und Europa ständig. Auf dem Acker fahren wir im Rückwärtsgang. Die EU-Kommission versucht das zu ändern. Mehr 9 7