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Lederschildkröten : Mit Lungenkollaps in die Tiefe

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Die Lederschildkröte „Marlene” in der Ausstellung „Mensch und Meer” des Meeresmuseums Stralsund Bild: ZB

Sie sind bis zu zwei Meter lang und wiegen mehrere hundert Kilo: Lederschildkröten. Wissenschaftler fanden jetzt heraus, warum die Tiere mühelos mehr als tausend Meter in die Tiefe tauchen: Die Meeresschildkröten lassen ihre Lunge kollabieren.

          Lederschildkröten lassen ihre Lunge beim Abtauchen kollabieren, um ohne große Anstrengung in die Tiefe sinken zu können. Das entdeckten Wissenschaftler um Sabrina Fossette und Adrian C. Gleiss von der Swansea University (“The Journal of Experimental Biology“, Bd. 213, S. 4074). Die bis zu zwei Meter langen und mehrere hundert Kilogramm schweren Tiere mit dem wissenschaftlichen Namen Dermochelys coriacea zeichnen sich durch einen ungewöhnlich biegsamen Brustkorb aus. Ihr Panzer besteht aus einer dünnen Knorpelschicht, in die ein Mosaik aus kleinen Knochenplättchen eingelagert ist. Dass die Lunge deshalb schon in geringen Meerestiefen merklich zusammengedrückt wird, beobachteten die britischen Forscher gemeinsam mit amerikanischen Kollegen.

          Die Tiere gleiten anstrengungslos nach unten

          An einem Strand der Virgin-Islands bestückten sie einige weibliche Exemplare der vom Aussterben bedrohten Meeresschildkröte mit speziellen Beschleunigungsmessern. Wenn die Lederschildkröten anschließend ins Wasser zurückkehrten, um sich an Quallen und anderen gallertigen Beutetieren gütlich zu tun, wurden ihre Tauchgänge kontinuierlich aufgezeichnet. Nach einer guten Woche, als die Weibchen an den Strand zurückkamen, um dort ein weiteres Gelege im Sand zu vergraben, konnten die Forscher ihre Messgeräte wieder abholen und die gesammelten Daten auswerten.

          Neugeborene Lederschildkröten in Phuket, Thailand
          Neugeborene Lederschildkröten in Phuket, Thailand : Bild: dpa

          Dabei stellte sich heraus, dass sich abtauchende Lederschildkröten zunächst mit kraftvollen Schlägen ihrer Schwimmflossen mächtig ins Zeug legen. Fast einen halben Meter pro Sekunde dringen sie in die Tiefe vor. Allmählich werden ihre Schwimmbewegungen jedoch gemächlicher, bis die Tiere schließlich völlig anstrengungslos immer weiter hinabgleiten.

          Auftauchen aus tausend Metern Tiefe

          Anscheinend ist die Lunge dann so stark kollabiert, dass die Schildkröten ein größeres spezifisches Gewicht haben als das Wasser ringsum. Bi zu 80 Prozent ihrer Tauchstrecke legten sie auf diese bequeme Weise zurück, gleichgültig ob in 460 Metern Tiefe oder bei 60 Metern. Offenbar nehmen die Lederschildkröten einen umso größeren Luftvorrat mit, je länger und tiefer sie tauchen. Ist ihre Lunge kollabiert, können sie auf die Sauerstoffvorräte in Blut und Muskeln zurückgreifen. Beim Auftauchen - bisweilen aus einer Tiefe von mehr als tausend Metern - müssen sie sich mühsam wieder nach oben arbeiten. Erst wenn die Lederschildkröten bis auf etwa zwanzig Meter an die Oberfläche herangekommen sind, hat sich ihre Lunge wieder so weit gefüllt, dass sie von selbst nach oben steigen.

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