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Lebensmittel : Ein Drittel ist für die Katz

Bild: Klaus Pichler / Anzenberger

Was gibt’s heute zu essen? Am besten was Vegetarisches, man will ja nicht nur gesund leben, sondern auch die Umwelt schonen.

          Was gibt’s heute zu essen? Am besten was Vegetarisches, man will ja nicht nur gesund leben, sondern auch die Umwelt schonen. Also zum Beispiel Gemüse mit Reis, grünen Salat und hinterher eine Banane. Der Reis stammt von Okinawa, hat zehntausend Kilometer Transport per Schiff und Lastwagen hinter sich, beim Anbau pro Kilo 1675 Liter Wasser verbraucht und kostet im Supermarkt 2,49 Euro. Die Paprika kommt aus einem marokkanischen Gewächshaus, die Champignons sind aus Litauen, der Fenchel aus Italien, der Salat wurde in der Nähe von Almería geerntet und die Banane in der Dominikanischen Republik.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das summiert sich zu einer Transportdistanz von dreißigtausend Kilometern, einem Kohlendioxidausstoß von fünf Kilogramm und einem Wasserverbrauch von viertausend Litern pro Kilo. Alles für ein vegetarisches Essen, das unter dem Strich nicht mehr kostet, als der Hartz-IV-Satz hergibt: Vollwertig und gesund, wie es bereits einem ehemaligen Berliner Finanzsenator vorschwebte.

          Ein Drittel wandert in den Orkus

          Die Zahlen hat der österreichische Fotograf Klaus Pichler zusammengetragen. Er hat in Wien fünf Dutzend gängige Nahrungsmittel gekauft, ihren Weg in die Anbaugebiete zurückverfolgt, sie dann planvoll verrotten lassen und im Studio arrangiert. „One Third“ nannte er sein Projekt, weil er kaum fassen konnte, was die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im März 2011 vorgerechnet hat. Demnach wandert regelmäßig ein Drittel der gesamten weltweiten Lebensmittelproduktion in den Orkus.

          Auf der einen Seite stehen Verluste bei der Ernte, bei der Lagerung und beim Vertrieb, auf der anderen Seite der Kunde. An die hundert Kilo Lebensmittel wirft er pro Jahr auf den Müll. Durchaus mit schlechtem Gewissen, wie Umfragen in Deutschland zeigen: Elf Millionen Tonnen landen immerhin in der Biotonne. Großverbraucher wie Industrie, Handel und Restaurants sind für vierzig Prozent der Abfälle verantwortlich, Endverbraucher für den Rest.

          Dabei ist es ganz egal, mit welchem Aufwand ein Nahrungsmittel produziert wurde. Fertigpizzen werden ebenso weggeschmissen wie Gemüsekonserven, Orangen genauso aussortiert wie Gurken, die nicht mehr taufrisch sind. Verkaufen lässt sich nur noch makellose Ware, deren Herkunft man ihr nicht mehr ansieht.

          Trauben: Nicht mehr zum Genießen, sondern nur noch zum Fotografieren.
Bilder von Klaus Pichler /Anzenberger Gallery. com
          Trauben: Nicht mehr zum Genießen, sondern nur noch zum Fotografieren. Bilder von Klaus Pichler /Anzenberger Gallery. com : Trauben Bild: Klaus Pichler / Anzenberger

          Zum Beispiel werden in Deutschland jährlich rund sechshundert Millionen Hähnchen geschlachtet, doch gegessen werden fast ausschließlich Brust und Keule. So gehen die Innereien nach Russland, die Füße nach Asien und was sonst noch anfällt, landet auf dem afrikanischen Markt. Von dort kommen wiederum die Kenia-Bohnen und der preiswerte Viktoria-barsch. Letzterer gern mit dem Flugzeug, wo er sich den Frachtraum mit lebendem Hummer, frischer Papaya und sogenannter „Flug-Ananas“ teilt. Außerhalb der Saison werden Weintrauben, Beeren oder Spargel eingeflogen. Klaus Pichler fand bei seinen Recherchen allerdings auch ordinäre Zwiebeln, die aus Neuseeland herangekarrt worden waren, sie kosteten nur 1,32 Euro pro Kilo.

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