08.05.2010 · Beim Artenschutz hat die Staatengemeinschaft versagt. Und es könnte mit der globalen Erwärmung noch schlimmer kommen, wie Bonner Botaniker mit ihren Modellrechnungen gezeigt haben.
Von Joachim Müller-JungDer Schutz der Artenvielfalt ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Das hat ein internationales Forschungskonsortium in der Zeitschrift "Science" beklagt. Nach der Analyse von dreißig Indikatoren, die zur Entwicklung der Biodiversität weltweit herangezogen werden, sei man zu dem Schluss gekommen: Nichts deutet auf ein Ende der ökologischen Zerstörungen hin. Damit sei das im Jahr 2002 formulierte Ziel der Staatengemeinschaft, den Artenverlust bis 2010 aufzuhalten, klar verfehlt worden.
Zehn Prozent Verluste bis 2100?
Seit 1970 sind demnach dreißig Prozent der Tierpopulationen geschrumpft, zwanzig Prozent der Mangrovenflächen und vierzig Prozent der Korallenriffe. Und es könnte noch schlimmer kommen, wenn man den Berechnungen folgt, die Botaniker des Nees-Instituts an der Universität Bonn zusammen mit Kollegen der Universitäten Göttingen und Yale vorgenommen haben. Demnach könnte allein die beschleunigte globale Erwärmung bis zum Jahr 2100 zum Verlust von rund zehn Prozent der Pflanzenarten weltweit führen.
Vier Grad Erwärmung simuliert
Wie die Gruppe um Jan Henning Sommer jüngst in den "Proceedings" der Royal Society berichtete, haben die Simulationen unter Berücksichtigung von achtzehn verschiedenen Klimaszenarien unterschiedliche Folgen ergeben. Im optimistischen Fall nimmt man eine Begrenzung der Erwärmung um weitere 1,8 Grad an. In dem Fall würde die Artenvielfalt in den kühlen und feuchten Regionen ebenso leicht zunehmen, wie sie in den trockenen und heißen Gebieten abnimmt. Steigt die Temperatur um vier Grad, wonach es derzeit eher aussieht, könnte es dagegen vor allem durch Wassermangel in den tropischen und armen Regionen zum beschleunigten Artenschwund kommen. (jom)
Joachim Müller-Jung Jahrgang 1964, Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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