12.05.2005 · Viele Fischarten der Nordsee zieht es in arktische Gewässer. In ihren angestammten Heimatgefilden wird es ihnen zu warm. Goldbarsche werden voraussichtlich bis zum Jahr 2050 die Nordsee vollkommen verlassen haben.
Die globale Erwärmung vertreibt zahlreiche Fischarten in der Nordsee aus ihren Heimatgewässern. Das hat eine Studie der britischen Universität von East Anglia in Norwich ergeben, die am Donnerstag vom amerikanischen Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde. Nach den Ergebnissen sind 18 Arten im Laufe der vergangenen 25 Jahre teils mehr als 100 Kilometer in Richtung Norden „ausgewandert“, 21 Arten verlegten parallel zum Anstieg der Meerestemperatur ihre Laichplätze. Den Angaben zufolge ist die Temperatur der Nordsee in diesem Zeitraum um ein Grad Celsius gestiegen.
Das Zentrum der Kabeljau-Population etwa, eine ohnehin durch Überfischung bedrohte Art, habe sich 117 Kilometer in Richtung arktischer Gewässer bewegt, heißt es in der Studie. Und die Südgrenze des Schellfisch-Lebensraums habe sich um 105 Kilometer nach Norden verschoben. Zugleich seien Fischarten, die eigentlich in wärmeren Gewässern leben, in die Nordsee vorgedrungen. Während der untersuchten Periode habe etwa der Franzosendorsch (Trisopterus luscus) seinen Lebensraum um 342 Kilometer nach Norden ausgedehnt.
Fische sensibler für Temperaturwechsel
Die Forscher analysierten die geographischen Veränderungen der Populationen von 36 in der Nordsee vorkommenden Fischarten. Der Untersuchung lagen langfristige Fischereidaten zugrunde, die mit Veränderungen der Meerestemperatur, allgemeinen Klimamodellen und dem Einfluß des Golfstroms abgeglichen wurden.
Die Studie legt die Befürchtung nahe, daß die ohnehin angegriffenen Fischbestände in der Nordsee durch die Klimaerwärmung weiter gefährdet werden und deshalb die bereits bestehenden Fischereibeschränkungen weiter verschärft werden müssen. Nach den Erkenntnissen reagieren Fische deutlicher als auf dem Lande lebenden Lebewesen wie etwa Vögel oder alpine Pflanzen auf einen Anstieg der Temperaturen.
Goldbarsch verläßt die Nordsee
Die Wissenschaftler kamen durch Hochrechnungen zu dem Schluß, daß Fische wie der Blaue Wittling oder der Goldbarsch bis zum Jahr 2050 gar nicht mehr in der Nordsee vorkommen werden. Die Forscher fanden auch heraus, daß Fischarten mit schnellen Lebenszyklen und geringer Körpergröße eher auf kontinuierliche Temperaturveränderungen reagieren als große. Letztere, die auch stärker von der Überfischung betroffen seien, könnten sich vermutlich schlechter an die Erwärmung anpassen.