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Katzen Wanderung auf leisen Pfoten

10.01.2006 ·  Das Erbgut verrät die bewegte Entwicklungsgeschichte der Katzen, wie eine statistische Auswertung von DNS-Daten jetzt ergeben hat. Die Analyse zeigt nicht nur Verwandtschaften auf, sondern läßt auch Rückschlüsse auf frühere Wanderungen über die Kontinente hinweg zu.

Von Julia Jespersen
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Die Abstammung der Felinae, der sogenannten echten Katzen, verlor sich bisher im Dunkel der Evolution. Doch durch eine statistische Auswertung von DNS-Daten aller Katzenarten konnten Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten sowie aus Brasilien und Portugal jetzt einen genauen Überblick über die Entwicklung geben und einen Stammbaum aufstellen. Wie die Gruppe um den Genomforscher Warren Johnson vom National Cancer Institute in Frederick (Maryland) in der Zeitschrift "Science" (Bd. 311, S. 73) berichtet, können die 37 heutigen Katzenarten in acht Linien eingeteilt werden.

Rasche Aufspaltung der Arten

Bisher war es nicht nur schwierig, einen genauen Stammbaum für die Felinae aufzustellen, sondern auch das Festlegen einer einheitlichen Nomenklatur erwies sich als hürdenreich. In der Evolution der Katzen gab es mehrere Parallelentwicklungen und eine rasche Aufspaltung der Arten in einem kurzen Zeitraum. Dadurch ist sich das Genmaterial der Katzenarten so ähnlich, daß die Differenzierung anhand von DNS-Sequenzen für die Forscher schwierig ist. Auch aus Fossilien konnten kaum umfassende Rückschlüsse auf die Evolution gezogen werden, da nur wenige existieren.

Die Vorfahren der modernen Katzen entwickelten sich nach Ansicht von Johnson und seinen Kollegen vor rund elf Millionen Jahren in der Zeit des späten Miozän in Asien. Außer der Antarktis haben die echten Katzen heute alle Kontinente besiedelt. Wie sie von Asien aus dorthin gekommen sind, läßt sich aus dem jetzt erarbeiteten Stammbaum ableiten.

Die Pantherlinie als erster Sproß

Kurz nach der Entwicklung des Katzen-Urahns spaltete sich als erstes die Pantherlinie ab, in die unter anderen Löwen, Leoparden und Tiger sowie der Nebelparder eingeordnet werden. Kurz darauf folgte der Zweig der Borneokatze (Pardofelis badia), zu dem auch die Marmor- und Goldkatze gehören und dessen Vertreter noch heute in Asien leben. Anschließend spaltete sich die Linie des Karakal, auch Wüstenluchs genannt, ab. Die Arten dieses Zweiges waren die ersten, die Asien verließen und vor rund 8,5 (bis 5,6) Millionen Jahren Afrika besiedelten. In einer zweiten Migrationswelle wanderte der Vorfahr von gleich fünf Katzenlinien von Asien aus über die Bering-Straße nach Nordamerika ein. Auf diesen Ahnen können die Abstammungslinien des Ozelots, Luchses, Pumas, der Bengalkatze und schließlich der Hauskatze zurückgeführt werden. Die Tiere der Ozelotlinie wichen nach der Besiedlung des neuen Kontinents über die Panamabrücke nach Südamerika aus. Der zu den Hauskatzen führende Zweig, zu dem unter anderen die Sumpfkatze (Felis chaus) und die Falbkatze (Felis libyca) in Afrika sowie die eurasische Wildkatze (Felis silvestris) gehören, ist vor sechs Millionen Jahren als letzter entstanden.

Mindestens zehn Wanderungswellen

Die Forscher nehmen an, daß es mindestens zehn Migrationswellen der verschiedenen Katzenlinien gab. So wanderten zum Beispiel die Arten der Pantherlinie von Asien aus sowohl nach Nord- und Südamerika als auch nach Afrika ein, zum Teil von Afrika auch nach Nordamerika. Die Vertreter der zu den domestizierten Katzen führenden Entwicklungslinie verschlug es von Nordamerika nach Eurasien. Die Wissenschaftler führen diese Wanderungswellen auf niedrige Meeresspiegel im späten Pliozän zurück, da sich so neue Landbrücken bildeten und weite Wanderungen begünstigt wurden.

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