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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Käferbefall im Holzhaus In der Stille der Nacht verrät sich der Käfer

 ·  Nichts fürchten Hausbesitzer mehr als Schädlinge im Gebälk. Fachwerk und Eichenparkett können schnell zu Staub zerfallen. Aber ist es wirklich der Hausbock, der sich durchs Holz nagt?

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© Illustration: Julie Sodré, Bearbeitung F.A.Z. Vergrößern Hausbock (Hylotrupes bajulus): Ein Weibchen kann bis zu 300 Eier in Spalten ablegen. Bis sich die Larven zum ausgewachsenen Käfer entwickelt haben, können mehr als zehn Jahre verstreichen.

Es ist ruhig in Langenroda. Das 260-Seelen-Dorf in Nordostthüringen hat eine Bockwindmühle, eine neoromanische Kirche, alte gemauerte Backhäuser, und man sieht bei gutem Wetter sowohl Kyffhäuser als auch Wendelstein. Es ist ein sonniger Herbsttag, die Blätter der Trauerweide mitten auf dem Hof von Selmar Petzoldt rascheln leise, sonst kein Laut. Doch das täuscht. „Hier schnorpst und knorpst es überall“, sagt Petzoldt und öffnet die Tür zum Allerheiligsten.

Es ist ein altes Stallgebäude, voll mit Holzstapeln, Brettern, Balken und Klötzen. Staubteilchen tanzen im einfallenden Licht, alles wirkt friedlich. „Es ist ein Hauen und Stechen rundherum“, erklärt dagegen Petzoldt. Er meint damit die Holzinsekten in den zahlreichen Stapeln. Zu sehen oder zu hören ist kein einziges Tier.

Petzoldt betreibt in Langenroda ein Sachverständigenbüro für biologische Bauwerksuntersuchungen. An ihn wendet sich, wer zum Beispiel ein historisches Gebäude mit Holzkonstruktion erhalten möchte. Im Dachstuhl oder Fachwerk können Kerbtiere im Verborgenen agieren. Um die Schäden abzuschätzen, sind Fachleute meist darauf angewiesen, die spärlichen Zeichen zu deuten, welche die Insekten hie und da hinterlassen. Die ausgewachsenen Käfer, deren Eier, Larven oder Puppen bekommen sie nicht unbedingt zu Gesicht.

Holz durchlöchert wie ein Schweizer Käse

Die im Stall scheinbar wild gestapelten Scheite, Bretter, Pfähle und Balken in unterschiedlichen Stadien des Verfalls sind daher Feldversuch, Laborexperiment, Zoo und Aktivitätsarchiv in einem. Laut Selmar Petzoldt ist hier alles vertreten: von Schädlingen wie dem Gekämmten Nagekäfer, dem Trotzkopf und der Totenuhr über deren Gegner - etwa Zitterspinnen oder Blaue Fellkäfer - bis hin zu sogenannten Sekundärnutzern der Aushöhlungen wie etwa Schlupfwespen und Wildbienen. „Man muss eben genau hinschauen“, ermuntert der Hausherr seinen Besucher. Na dann. Ja, dieser Stamm sieht ein bisschen wie Schweizer Käse in Grau aus. Ovale Ausfluglöcher von vier bis acht Millimetern Durchmesser sind Markenzeichen des Gemeinen Hausbocks. Ob aber ein Stück Holz nach wie vor von ebendiesem Hylotrupes bajulus befallen ist - und man ihn bekämpfen muss - ist damit noch lange nicht klar. Seine Larven schieben kein Holzmehl nach außen; sie fressen sich durchs Holz und verstopfen die Gänge mit dem, was ihr Verdauungssystem von dieser recht ballaststoffreichen Kost übrig lässt. Oft sind nächtliche Fraßgeräusche im Gebälk der verlässlichste Hinweis.

Was für den Hausbock gilt, gilt auch für andere Möbel- und Balkenschädlinge: Es lässt sich oft nur schwer beantworten, ob das Holz überhaupt noch befallen ist. Schließlich kann man den tragenden Ständerbalken eines Fachwerkhauses oder Urgroßmutters Biedermeierschrank nicht mal eben großflächig aufsägen. Fachleute identifizieren Schädlinge, indem sie Proben entnehmen oder Holzbereiche auf spezielle Weise abkleben. „Nach meiner Erfahrung sind in 90 Prozent der Fälle die Schadorganismen gar nicht mehr da“, sagt Petzoldt.

Der Hausbock ist der größte Holzzerstörer

Anders ist die Lage in seinem Holzlabor, wo er durchaus mal einen Scheit auf dem Hackklotz spalten kann. Zum Vorschein kommen prompt Fraßgänge, Puppenwiegen, Kotpartikel. Auch ein paar Larven kann er entdecken: die des Gemeinen Nagekäfers, auch als Möbelkäfer bekannt. Eine lebende Hausbocklarve ist aber auch hier nicht zu finden, denn, so Petzoldt, die Art, deren Spuren in unzähligen Gebäuden in ganz Deutschland zu finden sind, ist in seiner Gegend inzwischen „fast vom Aussterben bedroht“.

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