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Honigbienen Leitbilder im Schwarm

22.08.2009 ·  Wenn ein Bienenschwarm ein neues Quartier ansteuert, wissen nur wenige Bienen, wohin die Reise gehen soll. Wie sie den Schwarm ans Ziel bringen, ist eine erstaunlich chaotische Angelegenheit.

Von Diemut Klärner
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Wenn ein Bienenschwarm ein neues Quartier ansteuert, wissen von etlichen tausend Honigbienen nur ein paar Dutzend, wohin die Reise geht. Anscheinend geben diese wenigen Kundigen das Tempo vor und reißen so alle anderen mit. Zu diesem Ergebnis kamen Kevin Schultz und Kevin Passino von der Ohio State University in Columbus, als sie gemeinsam mit Thomas Seeley von der Cornell University in Ithaca/New York vorbeifliegende Bienenschwärme filmten.

Um ihre Kamera exakt unter einer Flugbahn plazieren zu können, brachten sie wohnungslose Bienenvölker auf eine kleine Insel mit spärlichem Pflanzenwuchs. Da dort jeweils nur ein einziger leerer Bienenstock als taugliche Unterkunft bereitstand, war der Weg des Schwarms vorgezeichnet.

Pioniere als Wegweiser

Wenn Honigbienen schwärmen, lassen sie sich zunächst unweit ihres alten Quartiers nieder. Im Umkreis von mehr als einem Kilometer ein neues zu suchen, bleibt einer kleinen Schar von Kundschaftern überlassen. Erst wenn diese Pioniere einen passenden Hohlraum ausgewählt haben, macht sich der Schwarm auf den Weg dorthin.

Etwa zehntausend Bienen fliegen dann als bis zu zwölf Meter lange und acht Meter breite Wolke davon. Indem die Forscher ihre Videoaufnahmen Bild für Bild analysierten, konnten sie Flugrichtung und -geschwindigkeit einzelner Bienen berechnen. Dabei entpuppten sich die Schwärme als erstaunlich chaotisch („The Journal of Experimental Biology“, Bd. 211, S. 3287). Nur eine Minderheit bewegt sich zielgerichtet vorwärts, die meisten fliegen kreuz und quer in unterschiedliche Himmelsrichtungen.

Abstimmung im Flug

Am schnellsten sind eindeutig Bienen, die geradewegs auf das künftige Quartier zusteuern. Unter ihnen befinden sich vermutlich auch jene, die den neuen Bienenstock bereits besichtigt haben und damit für eine Führungsrolle prädestiniert sind. Um den übrigen Schwarm nicht abzuhängen, müssen die kundigen Tiere ihr Tempo freilich rechtzeitig drosseln und sich wieder zurückfallen lassen. Tatsächlich fliegen die Bienen an der vordersten Front langsamer und seltener geradlinig als mitten im Schwarm.

In der oberen Mitte konzentrieren sich die Bienen, an denen sich alle anderen orientieren können. Wer mangels solcher Schrittmacher die falsche Richtung einschlägt, wird früher oder später zum Außenseiter. Wenn diese Bienen vom Rand des Schwarms wieder ins Zentrum zurückkehren, haben sie jedoch gute Chancen, dort auf richtungsweisende Artgenossen zu treffen. So finden sie den Weg ohne ihn zu kennen.

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