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Veröffentlicht: 11.07.2014, 14:48 Uhr

Alles im grünen Bereich Warum man einen Garten haben sollte

Ein Garten erdet, er ist Rückzugsort und hält das Ego in Schranken. Es gibt viele gute Gründe, zum Gärtner zu werden.

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© dpa Auch für Arbeiten im eigenen Garten gibt es Steuervorteile

Die letztgültige Antwort liefert das chinesische Sprichwort: Wenn du einen Abend lang glücklich sein willst, dann betrinke dich. Wenn du eine Woche lang glücklich sein willst, schlachte ein Schwein. Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, werde Gärtner. Aber es gibt noch ein paar andere Gründe. Und zwar abhängig vom Lebensalter.

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Von Geburt an lernt man nirgends sanfter, auf die Schnauze zu fallen. Wer sich nie vor Regenwürmern geekelt hat, niemals in den Dornenbusch geraten oder über eine Baumwurzel gestolpert ist, hat es umso schwerer im späteren Leben. Niederlagen müssen früh trainiert werden.

Gartenarbeit erdet

Wo kommt man während der Pubertät dem anderen Geschlecht näher: im dunklen Technokeller oder im Schatten der Gartenlaube? Man kann darüber diskutieren, aber nicht im Ernst. Mit zwanzig dann in überfüllten Hörsälen, kein Geld in der Tasche, ehrgeizige Mitbewerber auf dem Weg nach oben – alles kein Vergnügen. Der Sinn mag nicht gerade danach stehen, Hecken zu stutzen oder schnurgerade Radieschen zu ziehen. Aber es wäre eine schöne Ablenkung. Gartenarbeit erdet. Zuverlässig.

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Mit dreißig hat man im besten Fall einen frühen Gipfel der Karriere erklommen und ist damit beschäftigt, weitere Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Das kostet Energie. Ein Garten würde helfen, das Ego in Schranken zu halten. Weil sich Giersch und Quecke einen Dreck darum kümmern, ob der Besitzer einen Dr. phil hat. Mit vierzig hat man so viel um die Ohren, dass kaum noch Zeit für Besinnung bleibt. Kinder, Hypothek, Scheidungsgedanken, dabei soll es noch weiter nach oben gehen, bis die Welt endlich offensteht. Steht sie nie, weil die Welt viel zu groß ist. Die Welt findet sich eher im Garten als auf dem Frankfurter Flughafen. Nur muss man das rechtzeitig erkennen.

Der Garten als Rückzugsort

Mitte fünfzig, die Zeit wird allmählich knapp. Alles wird man nicht mehr werden. Spätestens jetzt kommt die große Krise. Weitermachen wie bisher? Oder einen Gang runterschalten? In Krisenzeiten und schlaflosen Nächten hilft nichts so sehr wie der Rückzug in seinen privaten Gedächtnispalast, der durchaus ein sorgfältig aufgesetzter Komposthaufen oder ein gepflegter Rasen sein kann.

Sechzig? Siebzig und älter? Da muss man erst mal hinkommen. Ist aber zu schaffen, wie jede neue Tournee der Rolling Stones vor Augen führt. Mick Jagger weiß die Freuden des britischen Landlebens seit Jahrzehnten zu schätzen. Nicht zuletzt deshalb hat er sich so gut gehalten. Ehe man uns nachruft, wir mögen in Frieden ruhen, können wir im Garten lernen, wie man in Frieden lebt.

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