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Glyphosat : Grünes Gift

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Tierärzte warnen vor Missbildungen

Seit einigen Jahren mehren sich Meldungen über mögliche Folgeschäden der Chemikalie. Milchbauern berichten von hageren, schlappen Kühen und führen die Symptome direkt auf den Unkrautvernichter zurück. Ihr Verdacht: Glyphosathaltiges Kraftfutter aus Amerika mache das Vieh krank. Einige Veterinäre und Biologen sprechen gar vom „chronischen Botulismus“. Eine in den Medien viel zitierte Kritikerin ist die Tierärztin und Mikrobiologin Monika Krüger, emeritierte Institutsleiterin der Universität Leipzig. „Das Elend da draußen in den Viehställen kann man doch nicht mehr mitansehen“, sagt sie am Telefon.

Daneben gibt es Untersuchungen, die vor Missbildungen bei Tieren warnen, etwa bei Hühner- und Froschembryonen, die man der Chemikalie direkt ausgesetzt hatte. Auch Ratten und Kaninchen trugen im Tierversuch Schädigungen davon. In Südamerika sollen sogar Kinder in der Nähe von Soja- und Maisplantagen auffällig häufig an Krebs erkrankt sein. Außerdem wird in einer argentinischen Studie von Fehlbildungen bei menschlichen Embryonen berichtet. Diese sich häufenden Hinweise waren für die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation Anlass genug, die Gefahr des Mittels neu zu bewerten. Monika Krüger zweifelt keine Minute an dem Urteil aus Lyon: „Glyphosat ist ein Hormonzerstörer.“ Sie nennt weitere Gründe, weshalb der Unkrautvernichter verboten gehöre: „Selbst niedrige Konzentrationen von Glyphosat und dessen Abbauprodukt können schädigend sein.“ Immerhin sei diese Chemikalie ein Komplexbildner, der Nährstoffe sehr leicht bindet und dadurch auch die Aufnahme von wichtigen aromatischen Aminosäuren blockiert. Und schließlich sei da noch die antibakterielle Wirkung von Glyphosat. Es töte im Darm vor allem die nützlichen Bakterien und verschone die gesundheitsgefährdenden. „Die sind nämlich gegen Glyphosat resistent“, sagt Krüger. Und das wiederum führe zu chronischen Darmkrankheiten.

Sind das Erklärungen, wie Glyphosat auf Mensch und Tier wirken könnte? Monsanto bestreitet die Vorwürfe vehement, das Herbizid sei weder karzinogen noch schädlich für die Fruchtbarkeit. Es gäbe keine Belege dafür, sagt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung, die Studienauswahl sei unvollständig. Hauptkritikpunkt des Bundesinstituts an den Glyphosat-Gegnern: Solche Untersuchungen würden nur ganz grundsätzlich bewerten, ob ein gesundheitsgefährdender Stoff vorhanden ist. Wichtig sei aber die Aufnahmemenge, teilt das BfR auf Anfrage mit. Also die Dosis.

Glyphosat in der Muttermilch? Das lässt niemanden kalt

In der Tat belegen Rückstände im Urin, in Lebensmitteln und in der Muttermilch allein noch kein Risiko, an Krebs zu erkranken. Gleichwohl werden in letzter Zeit immer wieder solche Funde veröffentlicht. Sie sollen medienwirksam zeigen, dass Glyphosat längst in der Nahrungskette angekommen ist - und sich nicht so schnell abbaut, wie die Hersteller behaupten.

Die jüngste Veröffentlichung stammt von Ende Juni. Das Leipziger Labor Biocheck hatte - im Auftrag der Grünen - Rückstände des Unkrautvernichters in der Muttermilch von sechzehn stillenden Frauen nachgewiesen. Kaum ein Nachrichtenmedium, das nicht darüber berichtete. Die Studie hielt aber nicht, was sie versprach: Die nachgewiesene Menge war verschwindend gering, die Zahl der Probandinnen ebenfalls zu niedrig und die Methodik für Milch ungeeignet.

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