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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Gentechnologie Das sequenzierte Mammut

 ·  Forschern ist es gelungen, aus erhaltenen Haaren etwa siebzig Prozent des Mammut-Genoms zu sequenzieren. Das Ergebnis beflügelt Fantasien, ausgestorbene Tierarten wiederzubeleben. Noch ist das Science-Fiction.

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Ein amerikanisch-russisches Forscherteam hat das Erbgut des Mammuts in großenTeilen sequenziert. Es sei das erste Genom einer ausgestorbenen Tierart, das in größerem Umfang vorliege, berichtet das britische Wissenschaftsjournal „Nature“, in dem die Forscher ihre Arbeit vorstellen. Die Wissenschaftler sammelten für ihre DNA-Analyse Haarproben von zwei Mammuts, die seit Jahrtausenden im Eis eingefroren waren. Auf diese Weise rekonstruierten sie etwa 70 Prozent des Mammuterbguts.

Andere Forscher hatten zuvor nur kleine Bruchstücke des Genoms sequenziert. Das Erbgut der ausgestorbenen eiszeitlichen Elefantenart (Mammuthus primigenius) unterscheidet sich in der Analyse nur um etwa 0,6 Prozent von dem seines engsten heute lebenden Verwandten, dem Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana), schreiben die Forscher um Stephan Schuster von der Pennsylvania State University in „Nature“ (Bd. 456, S. 387).

Damit sind die Genomunterschiede nur etwa halb so groß wie zwischen dem Menschen und seinem nächsten Verwandten, dem Schimpansen. Dabei haben sich Mammut und Elefant im Laufe der Evolution ungefähr zeitgleich voneinander getrennt wie Mensch und Schimpanse, vielleicht sogar noch etwas früher.

Haare als ideale DNA-Quelle

Für die Analyse hatten die Forscher Haare von zwei sibirischen Mammutexemplaren mit den Nummern M4 und M25 verwendet. M4 lag rund 20 000 Jahre im Eis, M25 sogar etwa 60 000. Haare sind eine ideale Quelle für sehr alte DNA, weil sie weit weniger mit Bakterien und Pilzen verunreinigt sind als etwa Knochen, wie Michael Hofreiter vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in einem begleitenden „Nature“-Beitrag schreibt. Insgesamt konnten die Wissenschaftler 4,17 Milliarden Basenpaare sequenzieren, von denen sich 3,3 Milliarden (80 Prozent) als Mammut-DNA erwiesen.

Anhand der Erbgutgröße des Afrikanischen Elefanten, dessen Genom fast anderthalb Mal so groß geschätzt wird wie das menschliche, rechnen die Forscher hoch, dass sie etwa 70 Prozent des Mammut-Erbguts entziffert haben. Dabei stießen sie auch auf Gene, die in einem Vergleich von fünfzig verschiedenen Säugetierarten nur beim Mammut vorkommen.

Wiederbelebte ausgestorbene Arten?

Die jetzt vorliegende Arbeitsversion des Mammuterbguts sei allerdings noch zu lückenhaft und fehleranfällig, um daraus Standardgene dieser Tierart abzuleiten, betont Hofreiter. Dennoch beflügelt die Arbeit Fantasien über die Wiederbelebung des Mammuts. So hatten japanische Forscher kürzlich erfolgreich Mäuse geklont, die sechzehn Jahre lang im Tiefkühlschrank gelegen hatten.

In einem weiteren Beitrag der Ausgabe von „Nature“ werden die Chancen untersucht, das Mammut mit moderner Biotechnologie wiederauferstehen zu lassen. Da bislang keine intakten Mammut-Zellkerne gefunden worden sind, müssten dazu zunächst künstliche Chromosomen hergestellt und in einen Zellkern gebracht werden. Das ist aus heutiger Sicht noch Science-Fiction. Anschließend könnte mit Hilfe von Eizellen von Elefanten versucht werden, Mammuts zu klonen, die dann von den Elefanten-Leihmüttern ausgetragen werden müssten.

Allerdings hat noch nie jemand versucht, einen Embryo künstlich in eine Elefanten-Gebärmutter einzusetzen, und auch die Gewinnung von Elefanten-Eizellen ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Der gesamte Prozess ist „Nature“ zufolge nach dem heutigen Stand der Technik unmöglich, scheint aber nicht für alle Zukunft ausgeschlossen.

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