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Gentechnik Resistenz vom Winde verweht

04.09.2006 ·  Gentechnisch verändertes Gras breitet sich um ein Versuchsfeld im amerikanischen Oregon aus. Das gegen Unkrautvernichter resistente Straußgras kann durch Kreuzung mit anderen Gräsern großen Schaden anrichten.

Von Barbara Hobom
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Ein gentechnisch verändertes Gras hat sich in dem amerikanischen Bundesstaat Oregon von einem Versuchsfeld aus in die Umgebung ausgebreitet. Das haben Forscher der amerikanischen Umweltschutzbehörde nachgewiesen. Wie Jay Reichman und seine Mitarbeiter in einer Online-Ausgabe der Zeitschrift „Molecular Ecology“ berichten, haben sie unter mehr als 20.000 untersuchten Exemplaren des Straußgrases (Agrostis stolonifera) im Umkreis des Versuchsfeldes neun Exemplare entdeckt, die das Resistenz-Gen der Testpflanze enthielten.

Genetische Analysen ergaben, daß die außerhalb des Versuchsfeldes gefundene Resistenz gegen das Herbizid Glyphosat (Roundup) in einigen Fällen auf einer Übertragung von transgenem Pollen auf wildwachsendes Straußgras beruhte. Die übrigen resistenten Gräser waren indessen aus den mit dem Wind verbreiteten Samen des transgenen Grases herangewachsen.

Alarmierendes Ergebnis

Das Versuchsfeld war zwar mit einer großen Pufferzone umgeben, die ein Entweichen von Pollen oder Samen des transgenen Gewächses verhindern sollte. Aber als die Umweltschützer das Terrain zwei Jahre nach dem Abernten des Versuchsfeldes und dem Verbrennen des Erntegutes untersuchten, fanden sie einige gegen Roundup resistente Gräser weit jenseits des vermeintlichen Sperrgürtels. Ein Exemplar entdeckten sie 3,8 Kilometer von der Peripherie der Pufferzone entfernt.

Das Ergebnis ist alarmierend, für Naturschützer ebenso wie für Landwirte und Saatguthersteller. Denn bei Agrostis stolonifera handelt es sich um eine weitverbreitete, ausdauernde Pflanze. In transgener Form einmal in die Natur entwichen, ist sie wegen ihres Resistenzgens zumal bei einem entsprechenden Selektionsdruck so leicht nicht wieder auszumerzen.

Transgen breitet sich unbeabsichtigt aus

Die Landwirte dürften das aggressiv wachsende Gras fürchten, weil es genau gegen dasselbe vergleichsweise umweltfreundliche Herbizid resistent ist, mit dem sie ihre Nutzpflanzen vor Unkräutern schützen wollen. Den Saatgutherstellern schließlich drohen empfindliche Verluste im Geschäft mit Grassamen, denn in vielen Ländern ist es verboten, transgenes Saatgut einzuführen. Nicht zuletzt könnte sich das Transgen des Straußgrases durch Kreuzung auch in den mehr als ein Dutzend anderen ausdauernden Agrostis-Gräsern ausbreiten und damit die Unkrautbekämpfung immer schwieriger machen.

Auch in Kanada ist vor kurzem ein unbeabsichtiges Ausbreiten eines Transgens in Wildpflanzen bekanntgeworden. Dort waren wildwachsende Rapspflanzen mit dem Pollen transgener Canolapflanzen befruchtet worden. Canola wird in großem Maßstab landwirtschaftlich zur Ölgewinnung angebaut. Doch während es sich hierbei um ein einjähriges Gewächs handelt, das nur wenige wildlebende Verwandte hat, die es befruchten könnte, gibt es vom Straußgras in der Natur und in Ziergärten viele ausdauernde Kreuzungspartner. Die Sorge ist daher groß, daß transgene Agrostis-Pflanzen in Natur und Landwirtschaft erheblichen Schaden anrichten könnten.

Experimente bewiesen die leichte Verbreitung

Daß die amerikanische Landwirtschaftsbehörde den Anbau des transgenen Straußgrases genehmigt hat, ist verwunderlich. Denn Forscher der Umweltschutzbehörde hatten schon vor Jahren in Treibhausexperimenten nachgewiesen, daß die Samen leicht verbreitet werden können. Und vor zwei Jahren haben sie in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (Bd.101, S.14.533) einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge der Pollen von transgenem Agrostis stolonifera im nichtlandwirtschaftlichen Bereich bis zu 21 Kilometer entfernte Pflanzen befruchtete.

Eine Genehmigung unter diesen Voraussetzungen wiegt um so schwerer, als Agrostis stolonifera nicht für die Lebensmittelproduktion vorgesehen ist, sondern als besonders robustes, leicht zu pflegendes Gras für Golfplätze genutzt werden soll. Das Argument der Saatguthersteller Scotts Miracle-Gro und Monsanto, das Gras würde auf dem Platz so kurz gehalten, daß es weder Pollen noch gar Samen bilden könne, dürfte ein Wunschtraum sein.

Quelle: F.A.Z., 05.09.2006, Nr. 206 / Seite 34
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