Nachdem die Menschen vor sechstausend Jahren im Westen des heutigen Kasachstans und in der Ukraine damit begonnen hatten, Pferde zu zähmen, stockten sie ihre Zuchten immer wieder mit wilden Pferden aus der Steppe auf. Das belegen genetische Untersuchungen, deren Resultat ein internationales Forscherteam in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht hat (doi: 10.1073/pnas.1111122109 ). Die Forscher erklären damit widersprüchliche wissenschaftliche Ergebnisse aus der Vergangenheit: Archäologischen Funden zufolge begann die Domestizierung der Wildpferde in der westlichen eurasischen Steppe. Genetische Untersuchungen deuteten allerdings darauf hin, dass Wildpferde an vielen verschiedenen Orten gezähmt wurden. Die Autoren der neuen Studie untersuchten DNA aus Fellproben von 322 Arbeitspferden ohne Rassebezeichnung aus zwölf ländlichen Regionen - von Litauen über Kasachstan bis in die Mongolei.
Dabei fanden sie nicht nur Belege für die Ansicht der Archäologen, sondern zeigten auch, dass die frühen Pferdezüchter immer wieder wilde Pferde aus lokalen Herden einkreuzten. Vor allem Stuten wurden hinzugezogen. Die Forscher vermuten, dass wilde Stuten besser händelbar waren als Hengste, was deren Bevorzugung erklärt - bei anderen Haustieren war es meist anders herum: Die ersten gezähmten weiblichen Tiere zeugten häufig noch Nachwuchs mit wilden männlichen Tieren. Die unterschiedlichen mütterlichen Linien bei den Pferden hatten die Annahme gestärkt, dass Pferde an verschiedenen Orten domestiziert worden waren.
Händelbar
Adrian Dunskus (adunskus)
- 18.05.2012, 15:06 Uhr