Home
http://www.faz.net/-gx4-7405n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Gefiederte Dinosaurier Dinofedern für die Braut

 ·  Flügel sind nicht nur zum Fliegen da. Das zumindest legen fossile Funde eines 150 Kilogramm schweren Dinosauriers nahe. Er setzte seine Flügel für die Balz ein.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)
© Julius Csotony / dapd Vergrößern So könnten die Dinosaurier mit Federkleid und Flügeln damals ausgesehen haben.

Wozu haben Dinosaurier Flügel entwickelt? Wohl nicht zuerst zum Fliegen. Fossile Funde legen nahe, dass sie mit ihrem Federkranz zuerst das andere Geschlecht zur Paarung einluden oder die schlüpfenden Nachkommen mit ihren Schmuckfedern schützten. Fossiler Zeuge für diese Hypothese ist Ornithomimus edmontonicus, ein zweibeiniger Dinosaurier, der ähnlich wie ein Strauß aussah und dessen Name so viel bedeutet wie Vogelnachahmer.

Er gehört nicht zu den kleinen Raubsauriern, von denen die heutigen Vögel abstammen und von denen man weiß, dass einige Vertreter gefiederte Flügel besaßen, mit denen sie vermutlich vom Baum gleiten konnten. Ornithomimus war ein mindestens 150 Kilogramm schwerer Pflanzenfresser. Dass auch er Federn besessen hat, haben Darla Zelenitsky von der Universität Calgary und ihre Kollegen nachgewiesen (“Science“, Bd. 338, S. 510).

Die untersuchten Fossilien stammen aus der kanadischen Provinz Alberta und werden bereits seit einigen Jahren im Royal Tyrell Museum in Drumheller aufbewahrt. Es ist auch der erste Federnfund bei einem Dinosaurier in der westlichen Hemisphäre.

Zelenitsky und ihre Kollegen haben drei Fossilien aus dem Museum untersucht. Die versteinerten Überreste stammen von einem Jungtier, das vermutlich nur ein Jahr alt geworden ist, und von zwei erwachsenen Tieren. Das Jungtier besaß einen einfachen, rund fünf Zentimeter langen, daunenartigen Flaum ohne zentralen Federkiel. Ein solcher Flaum ließ sich auch bei den erwachsenen Tieren nachweisen, allerdings hatte eines der Tiere zusätzlich noch flügelähnliche Strukturen mit größeren Federn an den vorderen Gliedmaßen. Diese Federn bestanden aus einem zentralen Schaft und seitlichen Federfahnen.

Bei dem anderen erwachsenen Tier fehlte dieser Teil des Skeletts. Die Tatsache, dass das Jungtier nur einen einfachen Flaum hatte, das erwachsene Tier aber noch zusätzliche Schmuckfedern besaß, zeigt für Zelenitsky und ihre Kollegen, dass die flügelähnlichen Strukturen ein sekundäres Geschlechtsmerkmal sein müssen und erst mit der Geschlechtsreife ausgebildet wurden. Sie können also nicht zum Fliegen benutzt worden sein.

Außerdem war Ornithomimus viel zu groß und zu schwer fürs Fliegen. Die kanadische Paläontologin hat auch eine Erklärung dafür, dass die Federn so lange unentdeckt geblieben sind. Die Überreste der gefiederten Raubsaurier wurden in losem, feinkörnigem Gestein in China oder Deutschland entdeckt, in dem auch zarte Strukturen Spuren hinterlassen. Die Überreste des Ornithomimus wurden hingegen

in grobkörnigem Sandstein eingeschlossen. Bisher hat man wohl nicht damit gerechnet, auch dort Hinweise auf ein Gefieder zu finden. „Vielleicht ist das offensichtliche Fehlen der Federn bei anderen Fundstücken darauf zurückzuführen, dass diese nicht gesehen und bei der späteren Präparation des Fossils zerstört wurden“, schreibt Zelenitsky in „Science“. Die Paläontologin hält es für möglich, dass weltweit bald weitere gefiederte Dinosaurier gefunden werden.


 

  Weitersagen Kommentieren (10) Merken Drucken

02.11.2012, 16:05 Uhr

Weitersagen
 

Der Wind dreht sich

Von Joachim Müller-Jung

Der neue IPCC-Bericht warnt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass es keine globale Klimapolitik geben wird. Regionale Interessen erfordern regionale Ziele. Mehr 170 51