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Geckos Im Sauseschritt die Wand hoch

11.10.2006 ·  Sie bringen kaum zwei Gramm auf die Waage, aber laufen Wände hoch, als ob die Gesetze der Schwerkraft für sie nicht gälten. Geckos wenden ganz spezielle Tricks an, um zu klettern. Die Lösung des Geheimnisses liegt in ihren Zehen.

Von Diemut Klärner
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Geckos gehen die Wände hoch, als ob die Gesetze der Schwerkraft für sie nicht gälten. Wenn sie von waagerechtem Terrain auf senkrechtes wechseln, scheinen sie ihre Gangart überhaupt nicht zu ändern. Sie drosseln nicht einmal das Tempo. Mit welchen Tricks sie so behende nach oben streben, studierten Wissenschaftler um Kellar Autumn vom Lewis und Clark College in Portland (Oregon) und Robert Full von der University of California in Berkeley. Als Forschungsobjekt diente ihnen der Gecko Hemidactylus garnotii, der ursprünglich aus Südostasien stammt, mittlerweile aber auch in Florida heimisch geworden ist.

Von der Nase bis zur Schwanzspitze waren die Versuchstiere nicht länger als ein Kugelschreiber und brachten kaum zwei Gramm auf die Waage. Auf dem Weg zu einem dunklen Schlupfwinkel mußten sie eine Plattform passieren, die mit Instrumenten zur Kraftmessung bestückt war. Mit einer Videokamera, die pro Sekunde tausend Bilder lieferte, ließen sich die registrierten Kraftkomponenten auch dann bestimmten Bewegungsphasen zuordnen, wenn die Geckos pro Sekunde ein Vielfaches ihrer Körperlänge zurücklegten.

Starker Klebeeffekt durch Van-der-Waals-Kräfte

Wie solche Reptilien auch an senkrechten Flächen sicheren Halt finden, ist schon seit einigen Jahren bekannt. Unter ihren Zehen tragen sie dichte Polster aus mikroskopisch kleinen Borsten, die sich ihrerseits in Hunderte von Härchen aufspalten. Jedes Härchen endet in einer spatelförmigen Scheibe. Diese kann sich so eng an den Untergrund schmiegen, daß zwischen benachbarten Molekülen sogenannte Van-der-Waals-Kräfte wirksam werden. Da jede Zehe Millionen solcher Härchen trägt, summieren sich die schwachen elektrostatischen Anziehungskräfte zu einem starken Klebeeffekt.

Die amerikanischen Forscher interessierten sich nun weniger für die Art und Weise, wie die Tiere Halt finden, sondern dafür, wie sie ihre Füße wieder vom Untergrund abheben können. So fest die Borstenpolster der Geckos am Untergrund auch haften - wieder loszukommen erfordert offenbar keine sonderliche Anstrengung. Es genügt, die Zehen etwas zu strecken, damit sich der Winkel zwischen Borsten und Wand vergrößert. Dann löst sich der Kontakt von selbst, wie die Forscher im „Journal of Experimental Biology“ (Bd. 209, S. 249 u. 260) berichten.

Bis zu 30 Schritte in einer Sekunde

Gewöhnlich heben sich rechter Vorderfuß und linker Hinterfuß bereits von der Wand, wenn der linke Vorderfuß und der rechte Hinterfuß Bodenkontakt aufnehmen. Die Geckos benötigen nur wenige Millisekunden, ihre Zehen fest zu verankern. Erstaunlicherweise gelingt es ihnen fast immer, von einem Fuß auf den anderen zu wechseln, ohne ihren Körper dabei merklich abzubremsen. Meist sinkt die Geschwindigkeit, mit der sie die Wand hinaufsprinten, um weniger als zehn Prozent.

Wenn ein Gecko es eilig hat, macht er bis zu 30 Schritte pro Sekunde. Dabei muß er stets darauf achten, daß seine Körperhaltung nicht aus dem Lot gerät. Mit seitlich abgespreizten Beinen kann er seinen Schwerpunkt zwar dicht an der Wand halten. Sein Kopf neigt aber immer wieder dazu, nach hinten zu kippen. Dieses Drehmoment wird dadurch kompensiert, daß die Vorderbeine den Vorderkörper in Richtung Wand ziehen, während die Hinterbeine den Körper in die entgegengesetzte Richtung drücken.

Quelle: F.A.Z., 12.10.2006, Nr. 237 / Seite 38
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