19.10.2004 · Was hält die Schmeißfliege auf glatten Flächen? Forscher der Universität Ulm haben herausgefunden, daß das gemeine Insekt dabei gleich zwei Erfolgsstrategien kombiniert.
Die Füße der Schmeißfliege Calliphora vicina werden in allen Details erst so richtig mit einem Elektronenmikroskop sichtbar. Abgebildet sind die mit zahlreichen feinen Borsten besetzten Ballen eines Fußendes. Diese als Setae bezeichneten Härchen ermöglichen es dem Insekt, auch auf einer noch so glatten Oberfläche einen festen Halt zu finden und kopfüber an der Decke entlangzulaufen.
Wissenschaftler von der Universität Ulm haben festgestellt, daß Calliphora vicina dabei auf eine doppelte Strategie baut. Zum einen nutzt das Insekt wie Spinnen und Geckos die Van-der-Waals-Anziehung zwischen den Härchen und den Molekülen der Oberfläche unter ihren Füßen. Zum anderen verläßt es sich noch auf ein haftendes Sekret, das es an seinen Härchen abgibt.
Dieser dünne Flüssigkeitsfilm ruft zwischen der Oberfläche und dem flachen Borstenende anziehende Kapillarkräfte hervor, die für zusätzlichen Halt sorgen ("Proceedings of the Royal Society"). Produziert wird das Sekret - eine Emulsion aus Kohlenwasserstoffen, Fettsäuren und Wasser - in der Mitte der Fliegenbeine. Durch eine enge Kapillare gelangt es zu einer Öffnung in den Haftläppchen, wo es schließlich austritt.