Home
http://www.faz.net/-gwz-73sk0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Forschung Belugawal ahmte menschliche Stimmen nach

Ähnliche Tonlage, ähnlicher Rhytmus: Amerikanische Forscher berichten über einen Beluga, der menschliche Stimmen nachgeahmt hat. Den Wissenschaftlern zufolge ist es der erste direkte Nachweis dieser Fähigkeit.

© dpa Amerikanische Biologen berichten in der Zeitschrift „Current Biology“ von einem Belugawal, der menschliche Stimmen nachgeahmt habe.

Ein junger Belugawal hat spontan menschliche Stimmen nachgeahmt. Dazu veränderte er die normalerweise sehr viel höheren Töne, die die Tiere für ihre Kommunikation und Ortung verwenden, berichten amerikanische Biologen in der Zeitschrift „Current Biology“. Das Team um Sam Ridgway von der National Marine Mammal Foundation in San Diego (Bundesstaat Kalifornien) war bereits vor knapp 30 Jahren auf die ungewöhnlichen Laute des Belugas aufmerksam geworden. Genauere Untersuchungen zeigten, dass die Geräusche des Wals nicht nur in der Tonlage, sondern auch in Dauer und Rhythmus der menschlichen Stimme erstaunlich ähnlich waren.

Den Forschern zufolge hat es schon früher Berichte von Walen gegeben, die scheinbar menschliche Geräusche nachmachen. Dies sei aber die erste Untersuchung, die diese Fähigkeit direkt nachweise. Ridgway und seine Mitarbeiter hatten bereits 1984 ungewöhnliche Geräusche in der Nähe eines Wal- und Delfinbeckens wahrgenommen. Den Forschern zufolge klangen die Laute wie Menschen, die sich in einiger Entfernung unterhielten. Auch Taucher in diesem Becken waren verunsichert - einer sei sogar an die Wasseroberfläche gekommen und habe gefragt, wer ihn zum Auftauchen aufgefordert habe. Es stellte sich heraus, dass die Quelle des Wortes „out“ und der merkwürdigen Geräusche ein neun Jahre alter Beluga (Delphinapterus leucas) namens „NOC“ war.

Mehr zum Thema

Genauere Untersuchungen zeigten, dass seine Geräusche nicht nur in der Tonlage, sondern auch in Dauer und Rhythmus der menschlichen Stimme erstaunlich ähnlich waren. Die üblichen Walgeräusche seiner Art liegen um mehrere Oktaven höher. Um solche Töne zu erzeugen, musste das Tier seine normale Methode der Lauterzeugung verändern, schreiben die Forscher. Statt mit einem Druckanstieg unterhalb des Blaslochs habe „NOC“ zusätzlich weitere Muskeln und Höhlungen im Kopfbereich eingesetzt. Laut Ridgway bedeutet das eine bewusste Anstrengung und damit möglicherweise einen Wunsch nach Kontakt.

„Das ist ein eindeutiger Hinweis auf Lautlernen bei Belugas“, schließt der Forscher. Das junge Tier lernte den Klang menschlicher Stimmen in den sieben Jahren seiner Gefangenschaft vermutlich nicht nur von der Wasseroberfläche, sondern auch von Unterwassergeräten, mit denen Taucher in seinem Becken Kontakt hielten. Als das Tier vier Jahre später erwachsen wurde, verlor es offenbar das Interesse an den fremden Klängen - es wurde zwar nicht stiller, aber äußerte fortan nur noch Beluga-typische Pfeiflaute. „NOC“ ist seit fünf Jahren verstorben.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Shade balls Diese Bällchen sollen Wasser sparen

Millionen von schwarzen Plastikbällen sollen die Folgen der Dürre in Kalifornien abwenden. Der Nutzen ist umstritten – doch der Bürgermeister von Los Angeles macht daraus seine eigene Dürre-Show. Mehr Von Christiane Heil, Los Angeles

28.08.2015, 10:31 Uhr | Gesellschaft
Unterwasser-Gärtner "Korallen-Gärtner" helfen bedrohten Riffen

Hirschhornkorallen zählen zu den wichtigsten Architekten der Riffe in der Karibik und vor der Küste von Florida - doch sie sind dort akut vom Aussterben bedroh. Forscher der Uni Miami züchten die Nesseltiere mit Hilfe von freiwilligen Tauchern auf künstlichen Unterwasserbäumen und siedeln sie wieder in Riffen an. Mehr

18.07.2015, 12:25 Uhr | Wissen
Waschbären Der Mythos vom Nazi-Raccoon

Die Wahrheit darüber, wie die Waschbären in Deutschland heimisch wurden. Mehr Von Georg Rüschemeyer

28.08.2015, 22:05 Uhr | Wissen
Ocean Brothers Atemberaubende Bilder vom Meeresgrund

Zwei spanische Apnoe-Taucher haben ein außergewöhnliches Internetvideo gedreht: Die Brüder spielen mit Kameraperspektiven und erwecken so den Eindruck, als könnten sie beispielsweise wie Superman durchs Wasser fliegen oder auf der Wasseroberfläche laufen. Mehr

07.05.2015, 11:33 Uhr | Gesellschaft
Naturschutz in Hessen M 2 streift frei umher

Luchse, Otter, Biber: Fast ausgestorbene Arten haben vom Naturschutz in Hessen profitiert. Die einen allerdings mehr als die anderen. Mehr Von Claudia Schülke

21.08.2015, 09:36 Uhr | Rhein-Main

Veröffentlicht: 22.10.2012, 12:51 Uhr

Weiches Wissen

Von Ulf von Rauchhaupt

Mehr als die Hälfte aller psychologischen Studien sind nicht reproduzierbar. Das geht sicher besser - aber nicht beliebig besser. Mehr 40 20