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Veröffentlicht: 18.06.2015, 17:00 Uhr

Fehlende Abwehr Ein Gendefekt – der Auslöser für das Wal- und Delphinsterben?

Ein mangelhafter Abwehrmechanismus könnte der Grund für das weltweite Delphin- und Walsterben sein. Orkas, Tümmler und andere Meeressäuger können sich durch einen Gendefekt offenbar nicht gegen Krankheitserreger wehren.

von Anne Bäurle
© AP Ein weiblicher Orka in der Nähe von Bainbridge Island im Nordwesten des Bundesstaates Washington

Ein fehlender Abwehrmechanismus gegen Viren könnte der Grund für das immer wieder auftretende Delphinsterben sein, wie Forscher von der Stanford-Universität in Palo Alto herausgefunden haben. Den Meeressäugern mangelt es wie Orkas, Pottwalen und anderen Vertretern der Zahnwalen in allen Zellen an sogenannten Mx-Proteinen. Diese Eiweißmoleküle erkennen Bestandteile von Influenzaviren oder von HIV und verhindern, dass sich diese Erreger im Organismus ausbreiten können.

Infizierter Urahn

Insgesamt haben die Forscher um Gill Bejerano 60 verschiedene Säugetiergenome analysiert, darunter auch das des Menschen. Im Erbgut fast aller Säugetiere haben sie Gene für die Mx-Abwehrproteine gefunden. Bei den Zahnwalen waren diese aber so verändert, dass sie keine funktionierenden Proteine bilden können, so die Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (doi: 10.1073/pnas. 1501844112). Der fehlende Abwehrmechanismus gegen Viren könnte die Ursache dafür sein, dass Zahnwale immer wieder unerwartet und ohne erkennbare Ursache sterben.

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Warum die Mx-Gene der Zahnwale derart verändert sind, lässt sich nur vermuten. Nach Ansicht von Bejerano und seinen Kollegen könnte ein Urahn der Zahnwale vor 33 bis 37 Millionen Jahren von Viren infiziert worden sein, für die die Mx-Gene zum Überleben essentiell waren. Es hätten daher nur jene Tiere einen evolutionären Vorteil gehabt, deren Mx-Gene so verändert waren, dass sich die Erreger nicht im Organismus verbreiten konnten. Allerdings sei es erstaunlich, dass die Zahnwale ohne den Abwehrmechanismus der Mx-Proteine überhaupt Millionen von Jahren überleben konnten.

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