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Dienstag, 14. Februar 2012
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Fauna Neue Lemurenarten entdeckt

10.08.2005 ·  Deutsche Forscher entdeckten auf Madagaskar zwei Halbaffenarten, die der Wissenschaft bisher unbekannt waren. Das heißt jedoch nicht, daß sie nicht schon andere Biologen in ihren Händen hielten.

Von Joachim Müller-Jung
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Madagaskar entpuppt sich zunehmend als das Amerika der deutschen Entdecker und Naturforscher. Im Jahre 1987, mehr als 115 Jahre nach der bis dahin letzten Beschreibung einer Primatenart auf der Insel, hatte dort der Bochumer Biologe Bernhard Meier zum erstenmal wieder einen neuen Lemuren, den stattlichen Goldenen Bambuslemur, gefunden. Und nun, knapp zwei Dekaden später, schreiben deutsche Wissenschaftler wieder Geschichte.

Denn neue Affen- oder Halbaffenarten zu entdecken ist in der zum globalen Dorf geschrumpften Welt von heute durchaus ein seltenes Vorkommnis. Zusammen mit madagassischen Wissenschaftlern haben Forscher des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen gleich zwei neue Lemurenarten wissenschaftlich beschrieben und auf dem in dieser Woche in Göttingen stattfindenden Europäischen Kongreß für Primatenforschung präsentiert.

Altbekannte neue Art

Es handelt sich um Entdeckungen, wie sie sich der romantisierende Laie freilich kaum vorzustellen wagt. Denn die beiden neuen Halbaffen, die das Artenkontingent auf der großen Insel im Indischen Ozean auf nunmehr 49 anheben, sind nicht nur den Einheimischen längst bekannt, sondern vermutlich schon von Dutzenden Forschern beobachtet oder gar in Händen gehalten worden. Nur hat keiner von denen bemerkt, daß es sich dabei um eine in der Wissenschaft bisher namenlose, noch unbeschriebene Spezies handelt. Bei Peter M. Kappeler vom Deutschen Primatenzentrum und seinen Kollegen hingegen kam nach einigen Exkursionen in die Regenwaldgebiete der Insel ein Verdacht auf.

Dieser betraf zuerst die jetzt als „Mirza zaza“ bezeichnete Lemurenart im Norden der Insel: ein nachtaktives, etwa dreihundert Gramm schweres Tierchen von der Größe eines Grauhörnchens mit kleinen Ohren, großen Hoden und einem buschigen Schwanz. Schon immer war es zusammen mit der weiter im Westen verbreiteten Population als „Coquerels Zwergmaki“ aufgefaßt worden. Kappeler und seine Kollegen haben jetzt bei der Analyse von genetischen und anatomischen Besonderheiten sowie beim Vergleich einiger Verhaltensauffälligkeiten von nicht weniger als 74 Tieren nachgewiesen, daß es sich nicht nur um zwei Populationen einer Art, sondern um zwei getrennte, sich nur untereinander fortpflanzende Spezies handelt. Die nördliche Art, die nach dem madagassischen Wort „zaza“ für „Kind“ getauft wurde, lebt etwa in Nestern von zwei bis acht Tieren, während die Verwandten im Westen alleine „nächtigen“. Außerdem bringen die nördlichen Makis ihre Jungen deutlich früher im Jahr zur Welt.

Kuriose Entdeckung

Noch kurioser erscheint die Entdeckung des zierlichen Mauslemurs Microcebus lehilahytsara, so bezeichnet nach der madagassischen Übersetzung von „good man“ - eine Würdigung des Chikagoer Biologen Steve Goodman, der die Erforschung der Flora und Fauna Madagaskars in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich vorangetrieben hat. Die neue Art wurde zufällig entdeckt, als man mit genetischen Untersuchungen den taxonomischen Status der beiden Mirza-Makis zu untermauern versuchte. Dazu hatte man im Westen der Insel, in der bei Touristen wie bei Forschern beliebten Regenwaldsiedlung Andasibe, einige Lemuren gefangen. Wie sich herausstellte und bei weiteren Analysen bestätigte, die Robert Zingg und Samuel Führer im Züricher Zoo vornahmen, handelte es sich dabei nicht um Mirza, sondern um die neunte Mausmaki-Art. Über das Leben und die Population des kleinen braungefärbten Halbaffen weiß man überdies wenig mehr, als daß er offenkundig jahrzehntelang übersehen wurde.

Quelle: F.A.Z., 10.08.2005, Nr. 184 / Seite N1
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