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Forschungsreise : Palmwein aus Ganymeds Hand

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Diesen Urwald sah Haeckel während einer Bootsfahrt auf dem Kelany Ganga (“Blauer Fluss“). Bild: Ernst Haeckel

Als Forscher setzte sich Ernst Haeckel für Darwins Evolutionstheorie ein. Als Reisender ließ er sich Affenfleisch in Sri Lanka schmecken. Und verfiel der Insel mit Haut und Haar.

          Als Ernst Haeckel am 21. November 1881 nach vierwöchiger Reise über Triest, Suez, Aden und Bombay mit sechzehn Überseekoffern „in der strahlenden Lichtfülle eines wolkenlosen Tropenmorgens“ im Hafen von Colombo eintraf, hegte der Zoologe hohe Erwartungen: Während der kommenden vier Monate auf Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, hoffte er, den „höchsten und erstaunlichsten Formen-Reichtum“ von Flora und Fauna kennenzulernen.

          Haeckels Enthusiasmus ist verständlich: Es ging für ihn buchstäblich ins gelobte Land seiner Naturforscherwünsche, wo er „dem Zwange und der Unnatur unseres Culturlebens gänzlich entfliehen“ und „mitten unter einfachen Naturmenschen eine Vorstellung von dem geträumten paradiesischen Urzustande unseres Geschlechts“ gewinnen wollte, wie er später in seinen „Indischen Reisebriefen“ schreiben sollte. Schließlich vermutete er die Urheimat der Menschen in geographischer Nähe zu Ceylon auf „Lemurien“, einem hypothetischen Kontinent im Indischen Ozean. Das hat die Wahl seines Reiseziels sicher beeinflusst - neben der Tatsache, dass seine Vorbilder Alexander von Humboldt und Charles Darwin diesen Teil der Welt nicht besucht hatten.

          Der damals 47 Jahre alte Haeckel, wichtigster Vorkämpfer des Darwinismus auf dem Kontinent, hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Kanarischen Inseln, verschiedene Ecken des Mittelmeers und das Rote Meer bereist, sein Band „Arabische Korallen“ war wenige Jahre zuvor erschienen. Schwerpunkt seiner Forschung waren damals die niederen Seetiere. Seit 1865 war er Professor in Jena, inzwischen an der Fakultät für Philosophie, und hielt zudem vielerorts Vorträge, um seine 1866 aufgestellte „Biogenetische Grundregel“ zu verbreiten, nach der das einzelne Lebewesen in seiner Entwicklung die Stammesgeschichte wiederholt.

          In diesen Nutzgärten wird alles verwertet

          Auf Ceylon war es dann aber zunächst die reiche Gartenkultur der Insel, die Haeckel faszinierte: „Oft glaubt man mitten im schönsten wilden Walde zu sein“, notierte der Naturforscher, „rings umgeben von hohen prächtigen Bäumen, die mit Schlingpflanzen behangen und überwuchert sind. Aber eine Hütte, die ganz im Schatten eines Brotfruchtbaumes versteckt ist, ein Hund oder Schwein, das aus dem Gebüsch hervorkommt, spielende Kinder, die unter Kaladiumblättern sich verbergen, belehren uns, daß wir nur in einem singhalesischen Garten uns befinden.“

          Die Ökologie dieser Nutzgärten, Gewattas genannt, ist erst in den letzten Jahrzehnten genauer erforscht worden. Ihr Pflanzenchaos aus Bäumen, Sträuchern, Kletterpflanzen und krautigem Unterwuchs verbirgt eine symbiotische Welt, in der alles Platz und Verwendung hat. Die österreichische Biologin Karin Hochegger konnte nicht nur die Ähnlichkeit dieser Baumgärten mit Regenwäldern zeigen, sondern anhand des Nährstoffkreislaufs die ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit dieser Gärten belegen. Obwohl sie nur extensiv bewirtschaftet werden, ist die Produktivität erstaunlich groß, wenn man alle Nebenprodukte wie Feuerholz, Nahrungsmittel, Gewürze miteinbezieht. In den von ihr untersuchten Gärten zählte sie 39 Fruchtbäume, 62 verschiedene Arten von Gemüsepflanzen und 201 Pflanzen mit medizinischem Wert. Im Schnitt weist jeder dieser Gärten mehr als fünfzig Pflanzenarten auf - eine Vielfalt, die Krankheiten und Schädlinge fernhält.

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