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Die biologische Art Eine Idee macht Geschichte

23.05.2007 ·  Der Zweck heiligt die Ordnung: Wie Linnés Herbarien zur Wiege der Ökologie wurden, die trotz Ergänzungen von späteren Kollegen wie Darwin, Buffon und Lamarck noch hochaktuell sind. Eine Idee macht Geschichte.

Von Axel Meyer
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Nur der Art wird im philosophischen wie auch im biologischen Sinn eine Realität zugesprochen. Jedenfalls sehen das die meisten Biologen so. Alle Kategorien oberhalb der Art sind, darin ist man sich einig, taxonomisch willkürlich, menschengemacht und evolutionsbiologisch ohne Bedeutung. Mitglieder einer Art werden nach dem „biologischen Artkonzept“ von Theodosius Dobzhansky und Ernst Mayr als Fortpflanzungsgemeinschaft bezeichnet und durch ihre gemeinsame Fortpflanzung als solche erkannt.

Sie grenzt sich dadurch von anderen Arten ab. Zwar ist das biologische Artkonzept das am meisten zitierte, aber nur eines von mehreren Dutzenden Artkonzepten. Seine Anwendung in der Theorie wie in der Praxis der Taxonomie stößt bisweilen auf große Schwierigkeiten und findet keineswegs universelle Anwendung. Viele Arten beispielsweise hybridisieren mit anderen, und auch die geschlechtliche Fortpflanzung wird nur von einem Teil, dazu noch einer kleinen Minderheit der Arten, praktiziert.

Ordnung der konstanten Schöpfungen Gottes

Fortpflanzung kann in diesen Fällen also nicht als alleiniges operatives Kriterium der Einteilung benutzt werden. Millionen von Arten Bakterien, aber auch viele andere Arten haben nie oder zumindest sehr selten Sex. Trotzdem wird auch hier von biologischen Arten gesprochen, auch wenn in der Praxis meist ganz andere – heute meist genetische Unterschiede – als Kriterium der Artabgrenzung benutzt werden.

Zu Linnés Zeiten war die Unveränderlichkeit der Arten durch die Schöpfung akzeptiert. Linné sah deshalb seine Aufgabe vornehmlich darin, die konstanten Schöpfungen Gottes zu ordnen, die sich scharf voneinander abgrenzten. Diskontinuitäten zwischen Arten genügten ihm, neue Arten von schon bekannten zu unterscheiden. Ernst Mayr würde diesen Ansatz nominalistisch nennen.

Der Homo sapiens hatte keine Sonderstellung

Auch der Gedanke der Evolution war Linné selbstverständlich noch unbekannt, und neue Arten konnten nach seiner Meinung nicht aus alten entstehen. Variation und das Aussterben von Arten wurde erst etwa 150 Jahre später durch Charles Darwin erkannt. Er betonte als Erster deren Bedeutung für die Evolution, die, angetrieben durch Variation und natürliche Selektion, immer neue Arten hervorzubringen vermag.

Auch die Ideen George Buffons, Arten im platonischen Sinn einer unveränderlichen Essenz zu verstehen, entsprach nicht Linnés Sichtweise. Buffon bereitete das Feld für seinen Landsmann Lamarck. Zumindest kann Linnés Einordnung des Menschen mit anderen Primaten in die Ordnung Primates schon dahin gehend als fortschrittlich gedeutet werden, dass er Homo sapiens keine Sonderstellung in der Schöpfung einräumte.

Seine freilich aus heutiger Sicht naive Vorstellung von der Zweckmäßigkeit jeder Art im ökologischen Miteinander hat ihm zumindest bei einigen Wissenschaftshistorikern nicht nur eine Rolle als Gründungsvater der Taxonomie, sondern auch einer von Medizin und Heilmittelkunde separaten Disziplin der Biologie, speziell der Ökologie, eingebracht.

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