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Veröffentlicht: 07.03.2014, 19:53 Uhr

Comeback des Rebhuhns? Die Rückkehr der Frühlingsboten

Moderner Ackerbau hat die Rebhühner vertrieben und an den Rand des Aussterbens gebracht. Der Vogelschutz hat reagiert und gekämpft. Gelingt die Rettung doch noch?

von Diemut Klärner
© Eckhard Gottschalk Georg-August-Universität Abteilung Naturschutzbiologie Rebhühner im Winter

Das Rebhuhn lässt am meisten von sich hören, wenn der Winter zu Ende geht. Vor allem die Männchen rufen dann in der Dämmerung eifrig und werben so um die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts - vorausgesetzt, es gibt überhaupt noch Rebhühner auf den Feldern. Ursprünglich in Steppengebieten heimisch, waren sie bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch in Mitteleuropa häufig. Doch inzwischen ist das Rebhuhn dort ein rarer Vogel geworden: Nach Einschätzung des European Bird Census Council ist die Population seit 1980 um 94 Prozent geschrumpft. In Deutschland, wo das Rebhuhn schon seit 1982 auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten steht, ist es mancherorts bereits ausgestorben. In Hessen zum Beispiel wird die Zahl der Brutpaare derzeit auf weniger als tausend geschätzt, in ganz Deutschland auf knapp fünfzigtausend. Auch wo Rebhühner längst nicht mehr bejagt werden, verschwinden sie aus der Feldflur. Anscheinend leiden sie noch mehr als Lerchen und Wachteln darunter, wie sich die Agrarlandschaft verändert.

Blühende Streifen als neuer  Lebensraum

Was aber könnte man tun, um dem Rebhuhn wieder auf die Sprünge zu helfen? Ein Projekt, das diese Frage beantworten soll, begann 2005 im Landkreis Göttingen (www.rebhuhnschutzprojekt.de). Gemeinsam mit dem Zentrum für Naturschutz der Universität Göttingen versucht seitdem ein lokaler Naturschutzverein, die Biologische Schutzgemeinschaft Göttingen, die Lebensbedingungen für das Rebhuhn zu verbessern. Dabei setzen Biologen um Eckhard Gottschalk und Werner Beeke auf bunt blühende Ackerstreifen, die den Rebhühnern zusätzliche Nahrung und Unterschlupf bieten. Die beteiligten Landwirte stellten zeitweilig bis zu 540 Hektar bereit, um auf ihren Feldern solche Blühstreifen anzulegen. Dass sich die untersuchte Rebhuhnpopulation immerhin stabilisiert hat, lässt sich als Erfolg verbuchen. Denn in ganz Niedersachsen hat sie gleichzeitig um die Hälfte abgenommen.

Eckhard Gottschalk © Eckhard Gottschalk Vergrößern Rebhuhn mit Küken

Wie im gesamten Land sind auch im Göttinger Raum die Felder zunehmend größer geworden und die Feldraine spärlicher. Die Küken des Rebhuhns leiden außerdem darunter, dass sich auf Äckern kaum noch Insekten tummeln. Um wachsen zu können, brauchen sie solch eiweißreiche Kost. Doch auf den meisten Feldern haben sie keine Chance, sich eine Tagesration zusammenzusuchen. Um die Verpflegung der Rebhühner aufzubessern, greifen die Naturschützer auf das Instrumentarium der Agrarpolitik zurück. Das Niedersächsische Agrar- und Umweltprogramm bietet beispielsweise die Möglichkeit, auf bis zu 25 Meter breiten Ackerstreifen eine bunte Pflanzenmischung wachsen zu lassen, etwa mit Senf, Phacelia, Erbsen und Sonnenblumen. Auf solchen Blühstreifen, die frei von Pestiziden bleiben, finden sich viermal so viel Insekten wie auf dem angrenzenden Acker. Weil die Landwirte dort aber nichts Verwertbares ernten können, erhalten sie einen finanziellen Ausgleich.

Mit Sonden auf Spurensuche

Die Göttinger Rebhuhnforscher begnügen sich allerdings nicht mit diesem Standardprogramm. Um den Rebhühnern auch im Winter noch Schutz und Nahrung zu geben, dürfen ihre Blühstreifen erst im Frühjahr umgepflügt werden - und jeweils nur zur Hälfte. Wo das Gestrüpp vom Vorjahr stehen bleibt, können sich die Vögel weiterhin verstecken und einen Nistplatz finden. Die daneben frischeingesäten Streifen trocknen nach einem Regenguss schneller und lassen mehr Sonne bis zum Boden dringen, was vor allem den wärmebedürftigen Küken zugutekommt. Damit sich die Blühstreifen nach Wunsch entwickeln, wurde eine spezielle Saatgutmischung aus mehr als zwanzig verschiedenartigen Kultur- und Wildpflanzen zusammengestellt. Margerite und Wegwarte zum Beispiel sollen auch im zweiten Sommer noch blühen und Insekten anlocken.

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