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Botanik Rafflesien nicht mehr heimatlos

 ·  Die Rafflesien, zu denen die Pflanzen mit den größten Blüten gehören, haben jetzt endlich ihren Platz im Ordnungssystem der Botaniker gefunden. Doch gerade das macht ihre evolutionäre Entwicklung noch rätselhafter.

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Bekannt und berühmt sind die Rafflesien durch die Art Rafflesia arnoldii geworden. Die britischen Forscher Sir Thomas Stamford Bingley Raffles, der als Gründer der Stadt Singapur gilt, und Joseph Arnold haben die Spezies im Jahr 1818 auf Sumatra entdeckt. Sie berichteten von einer Blüte mit 1,3 Meter Durchmesser.

Ein derart großes Exemplar hat man später nicht mehr gefunden, aber mit einem durchaus üblichen Blütendurchmesser von 80 bis 100 Zentimetern hält diese Art den Rekord im Pflanzenreich. Die Blüten, die durch Aasgeruch auch olfaktorisch auf sich aufmerksam machen, werden Berichten zufolge annähernd zehn Kilogramm schwer. Noch imposanter ist zwar die ebenfalls im 19. Jahrhundert auf Sumatra entdeckte – und in hiesigen Botanischen Gärten kultivierte – Titanenwurz. Bei der bis zu drei Meter in die Höhe ragenden Blume handelt es sich aber um einen Blütenstand mit zahlreichen kleinen Einzelblüten am Grund.

Parasitische Lebensweise

Generationen von Systematikern haben vergeblich versucht, den Rafflesien eine klare Position im botanischen Ordnungssystem zuzuweisen. Die Schwierigkeiten sind vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich bei diesen Gewächsen um Parasiten an anderen Pflanzen handelt. Sie besitzen kein Chlorophyll und sind somit nicht zur Photosynthese fähig. Rafflesia arnoldii zum Beispiel zapft eine wilde Rebe der Gattung Tetrastigma an. Weil der Übergang zu einer streng parasitischen Lebensweise im Verlauf der Evolution zu tiefgreifenden Veränderungen führt, etwa zur Reduktion von Spross, Wurzel und Genom, lässt sich die Stammesgeschichte oft nur schwer rekonstruieren.

Erleichtert wird diese Ahnenforschung allerdings durch die Fortschritte in der Molekulargenetik. So ist es einer amerikanisch-malaysischen Forschergruppe vor zwei Jahren gelungen, die zur Photosynthese befähigten Verwandten der Rafflesien zu ermitteln. Seitdem galten die Rafflesien als eine Familie innerhalb der Ordnung der Malpighiales im Verwandtschaftskreis der Rosenähnlichen. Die genaue Position blieb aber weiterhin unklar.

„Größtes Wunder der Pflanzenwelt“

Forscher um Charles Davis von der Harvard-Universität in Cambridge (Massachusetts) haben nun die molekulargenetische Ahnensuche nochmals verfeinert. Sie durchkämmten alle Familien innerhalb der Malpighiales sowie 22 andere Spezies einschließlich der Wirtspflanze von Rafflesia arnoldii auf verwandtschaftliche Beziehungen hin. Wie die Forscher jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Science“ berichten, muss man aus den Ergebnissen schließen, dass die Rafflesien in die Familie der Wolfsmilchgewächse eingebettet sind.

Gerade wegen der Blütengröße erscheint das zunächst schwer vorstellbar, besitzen Wolfsmilchgewächse doch gewöhnlich kleine, unauffällige Blüten. In der zu den Rafflesien führenden Entwicklungslinie ist es aber schon in ferner Vergangenheit zu einem Gigantismus gekommen: Im Verlauf von 46 Millionen Jahren hat der Blütendurchmesser von 2,4 Millimeter auf 18,9 Zentimeter zugenommen. Dass Rafflesia zu den Wolfsmilchgewächsen gehört, vergrößert nach Ansicht der Forscher daher nur das evolutionäre Rätsel dieses „größten Wunders der Pflanzenwelt“, wie der schottische Naturgelehrte Robert Brown das 1822 in der Zeitschrift „Transactions of the Linnean Society of London“ ausdrückte.

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