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Blaufußtölpel : Tapsige Fußfetischisten

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Beim Blaufußtölpel ist die Farbe des Fußes kein Anzeichen von Kälte Bild: F.A.Z.-Günther Paul

Sollten Blaufußtölpel-Männchen ihrer Beziehung einmal überdrüssig werden, müssen sie nicht viel tun, um wieder solo zu sein. Es reicht, ein wenig zu fasten oder ein bißchen Makeup aufzutragen. Denn auf graublauem Fuß kann keine Tölpel-Liebe stehen.

          Zeigt her eure Füße - das verlangen weibliche Blaufußtölpel, wenn sie nach einem attraktiven Partner Ausschau halten. Während der Balz vollführen männliche Blaufußtölpel eine Art gemächlichen Solotanz, bei dem sie ihre Füße ausgiebig präsentieren.

          Wer dabei ein leuchtendes Türkisblau vorweisen kann, hat beim anderen Geschlecht gute Chancen. Ein mattes Graublau läßt die Männchen dagegen oft leer ausgehen. Der Farbton der Füße spiegelt offenbar die körperliche Verfassung. Das haben Wissenschaftler um Alberto Velando von der Universidade de Vigo (Spanien) und Roxana Torres von der Universidad Nacional Autónoma de Mexico in Mexiko-Stadt herausgefunden.

          Schießt pfeilschnell ins Wasser

          Anscheinend läßt sich an der nackten Haut der Tölpelfüße ablesen, ob der Kandidat fit genug ist, sich später bei der Versorgung der Nachkommen kräftig ins Zeug zu legen. Doch so sorgsam die Vogelweibchen ihre Wahl treffen - ein paar Wochen später, wenn das erste Ei in der Nestmulde liegt, kann der Partner trotz allem plötzlich kränkeln. Aber sogar auf diese mißliche Situation, so haben die beiden Forscher mit einem einfachen Experiment nachgewiesen, wissen sich die weiblichen Blaufußtölpel einzustellen.

          Wie sein europäischer Verwandter, der Baßtölpel (Sula bassana), nistet der amerikanische Blaufußtölpel (Sula nebouxii) an felsigen Küsten. Auf der Suche nach Fischschwärmen streift er übers Meer und schießt aus beträchtlicher Höhe pfeilschnell ins Wasser.

          So kann er etliche Meter tief tauchen, um kleine Fische zu erbeuten. Als Forschungsobjekte dienten den beiden Wissenschaftlern Brutvögel von Isla Isabel, einer kleinen Insel an Mexikos Westküste. Ein tot aufgefundenes Tier gab den Forschern eine Gelegenheit, die Haut der Füße genauer unter die Lupe zu nehmen.

          Zwei Fastentage und schon sind die Füße graublau

          Wie von blau getönten Hautpartien anderer Vogelarten bekannt, zeichnen sich auch die Schwimmhäute der Blaufußtölpel durch eine spezielle Schicht aus Kollagen aus. Die Kollagenfasern, so haben Wissenschaftler von der University of Kansas schon vor einiger Zeit herausgefunden, streuen das einfallende Licht. Dicht gepackt und parallel ausgerichtet, verursachen sie Interferenzerscheinungen („Journal of Experimental Biology“, Bd. 206, S. 2409). Die Lichtwellen überlagern sich dabei derart, daß nur der blaue Spektralbereich optimal reflektiert wird.

          Ihre eigenartige Farbe verdanken die Füße männlicher Blaufußtölpel aber nicht allein den wohlgeordneten Kollagenpaketen. Zusätzlich enthält ihre Haut mehr oder minder große Mengen gelber Farbstoffe. Wurde die Kost der Versuchstiere mit Carotinoiden angereichert, so prangten ihre Füße in einem besonders intensiven Türkisblau, wie Velando und Torres kürzlich in der Zeitschrift „Oecologia“ (Bd. 149, S. 535) berichteten.

          Mußten die Vögel dagegen Hunger leiden, gingen die gelben Pigmente rapide verloren. Zwei Fastentage genügten, ein leuchtendes Türkis der Füße in ein mattes Graublau zu verwandeln. Als die Blaufußtölpel dann wieder großzügig mit Fisch versorgt wurden, gewann ihre Haut rasch wieder einen satten Farbton.

          Männchen mit einem blaugrauen Make-up

          Um zu prüfen, ob auch fest verpaarte Weibchen ihrem Partner genau auf die Füße sehen, suchten die Wissenschaftler einige Vögel aus, die gerade ihr erstes Ei gelegt hatten. Bei der Hälfte der Brutpaare schminkten sie die Füße des Männchens mit einem blaugrauen Make-up, gaben ihnen also einen kränklichen Anstrich.

          Die zugehörigen Weibchen ließen sich von dieser Farbgebung tatsächlich täuschen. Sie reagierten umgehend auf die scheinbar schlechte Verfassung ihres Partners, was sich darin äußerte, daß ihr zweites Ei deutlich kleiner ausfiel. Dafür gibt es eine biologische Erklärung: Kann das Männchen nur wenig zum Familienunterhalt beitragen, ist es wohl vorteilhaft, wenn in den zweiten Sprößling von vornherein nicht allzuviel investiert wird. Denn mehr als ein Junges großziehen zu können ist unter solchen Umständen ohnehin ziemlich aussichtslos.

          Rabiate Form der Familienplanung

          Ähnlich wie viele Greifvögel praktizieren auch die Tölpel eine rabiate Form der Familienplanung: Das größte und kräftigste Küken, gewöhnlich das zuerst aus dem Ei geschlüpfte, wird bevorzugt gefüttert. Für die kleineren fällt nur dann genügend ab, wenn die Eltern reichlich Verpflegung herbeischaffen können.

          Wird das Nahrungsangebot knapp, müssen diese Küken früher oder später verhungern. Nach menschlichen Maßstäben scheint das zwar grausam. Aber selbst unter widrigen Bedingungen - wenn ein Elternteil kränkelt oder die Fische sich rar machen - hat mit dieser Strategie immerhin ein Küken eine Überlebenschance.

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