12.10.2004 · Die Einschränkungen für den Walfang werden weiter hitzig diskutiert. Japan versteht das Thema nicht als Frage des Artenschutzes, sondern als Eingriff in seine kulturellen Traditionen.
Neue Schonfrist für Wale: Japan ist bei der Weltartenschutzkonferenz in Bangkok mit seiner Forderung nach einer Lockerung des Fangverbots gescheitert. Die Mehrheit der 166 Teilnehmerstaaten stimmte am Dienstag gegen einen entsprechenden Antrag aus Tokio. Zugleich beschlossen die seit Anfang Oktober in der thailändischen Hauptstadt tagenden Delegierten ein absolutes Handelsverbot für zwei bedrohte Papageienarten und einigten sich auf Handelsbeschränkungen für Weiße Haie. Tierschützer begrüßten die Beschlüsse. Sie sorgten sich jedoch um die Elefanten, weil am Vortag ein von Kenia beantragtes20jähriges Moratorium für den Handel mit Elfenbein gescheitert war.
Der Streit um eine von Japan geforderte Entschärfung des Fangverbotes für Minkwale zählte zu den hitzigsten Debatten bei der
noch bis Donnerstag tagenden 13. Artenschutzkonferenz CITES. Japanwarf den westlichen Regierungen, die an dem strengen Verbot festhalten wollen, „kulturellen Imperialismus“ vor. Das Land begründete seinen erneuten Fangvorstoß damit, daß sich die Walpopulation erholt habe. Die Tiere könnten deshalb vom strengsten Schutzstatus I auf die Liste des schwächeren Status II gesetzt werden - was einen eingeschränkten Handel erlauben würde. Dieser Vorstoß wurde aber abgeblockt.
Seit 1986 gibt es ein strenges Walfang-Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC). Dieses umgeht Japan aber ohnehin schon. Das Land fängt seit 1987 jedes Jahr zu erlaubten „wissenschaftlichen Zwecken“ rund 820 Wale. Nun sollten weitere für kommerzielle Zwecke freigeben werden. In Bangkok kündigte die japanische Delegation an, ihre Kampagne für höhere Fangquoten „niemals“ aufzugeben; der Walfang sei eine tausende Jahre alte japanische Tradition.
Eine Sprecherin der Umweltorganisation WWF sagte: „Wir sind der japanischen Versuche, den Walfang durch die Hintertür wieder einzuführen, überdrüssig.“ Unterstützung erhielt das Land derweil aus Norwegen, Island, Kambodscha und einigen karibischen Inselstaaten. Norwegen verstößt seit 1993 gegen das IWC-Moratorium und fängt jährlich rund 650 Minkwale aus dem Nordatlantik.
Nach Angaben der Organisation Pro Wildlife beschlossen die CITES-Delegierten zudem absolute Handelsverbote für den Gelbwangenkakadu und die Blaukopfamazone. Die Papageienarten ausIndonesien und Mexiko sind akut vom Aussterben bedroht. „Für den Gelbwangenkakadu könnte die heutige Entscheidung die letzte Rettung bedeuten“, sagte eine Pro-Wildlife-Sprecherin. Die Tierschützer hoffen, daß nun auch der Handel auf dem Schwarzmarkt erschwert werde.
Laut WWF verständigten sich die CITES-Delegierten mehrheitlich auch auf Handelsbeschränkungen für Weiße Haie. Gegen den Antrag Madagaskars und Australiens, der eine strikte Kontrolle des Handels mit diesen Fischen und ihren Produkten vorsieht, stimmten in einem ersten Schritt nur China, Japan und Norwegen. Über die Vorentscheidung vom Dienstag muß indes noch endgültig abgestimmt werden.
Bereits endgültig gescheitert ist dagegen ein 20jähriges Moratorium für den Handel mit Elfenbein. Ein entsprechender Vorstoß Kenias verfehlte bereits am Montagabend die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Tierschützer kritisierten, „die Elefanten auf der ganzen Welt werden dafür bezahlen“.Die Delegierten unterstützen jedoch ein Projekt der afrikanischen Länder zur Einschränkung des Elfenbeinhandels. Demnach soll sich jedes Land, das mit Elfenbein handelt, einer strikten Kontrolle seines Marktes unterziehen. In Afrika sterben durch den Handel mit Elfenbein jedes Jahr etwa 12.000 Elefanten.