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Aroma und Wachmacher-Effekt : Die Geheimnisse des Kaffee-Genoms

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Das Genom der Kaffeesorte „Robusta“ ist nun in seinen Einzelheiten bekannt. Forscher fanden Gene, die für Geschmacksstoffe und für die Verteidigung gegen Schädlinge wichtig sind – und sie lüfteten ein Geheimnis des Koffeins.

          Das Koffein in den unterschiedlichen Pflanzen der Welt scheint auf mehrere Arten und unabhängig voneinander entstanden zu sein. Darauf deutet die Studie eines internationales Wissenschaftlerteams in der Fachzeitschrift „Science“ hin (Bd. 345, S.1181). Die Tee- und Kakaopflanzen sind genau wie der Kaffee in der Lage, Koffein zu produzieren - aber die drei Pflanzen erwarben diese Fähigkeit offenbar nicht von einem gemeinsamen Vorfahr, sondern jede für sich.

          Die Forscher um den Franzosen Philippe Lashermes vom Institut de Recherche pour le Developpement in Montpellier untersuchten das Genom der Kaffeepflanze Coffea canephora, was der wissenschaftliche Name für die weltweit wirtschaftlich bedeutende Sorte „Robusta“ ist.

          Unabhängiger Pfad der Evolution

          Sie fanden 25.574 Gene, darunter auch Gene für spezielle Enzyme, die N-Methyltransferasen, die in die Koffeinproduktion involviert sind. Sie scheinen anderen Genen der Kaffeepflanze ähnlicher zu sein als den entsprechenden, für die Koffeinproduktion verantwortlichen Genen im Tee und im Kakao. Der Kaffee habe einen unabhängigen Pfad im Rahmen der Evolution genommen, bilanzieren die Autoren. Anders als bei Verwandten der Kaffeepflanze, etwa der Tomate und der Chilischote, habe sich das Genom während der evolutionären Entwicklung nicht verdreifacht. Die Vielfalt des Kaffeegenoms sei also nicht durch pure Masse, sondern eher durch Duplikationen bestimmter Genfamilien zustandegekommen.

          Zudem konnten Gene der Kaffeepflanze identifiziert werden, die für die Produktion von Alkaloid- und Flavonoidverbindungen verantwortlich sind, die das Aroma des Kaffees mitbestimmen, und sie entdeckten Erbgutsequenzen, die der Pflanze helfen, sich gegen Schädlinge zu verteidigen. Insbesondere, was die Alkaloid- und Flavonoidverbindungen angeht, weist der Kaffee eine größere Vielfalt an Genen auf als andere Pflanzen wie etwa Trauben oder Tomaten. In einem begleitenden Kommentar in „Science“ weist Dani Zamir von der Hebrew University in Jerusalem darauf hin, dass Forschungsergebnisse wie diese dabei helfen können, die genetischen Ressourcen des Kaffees effektiver zu nutzen - etwa dann, wenn die Kaffeefarmer der Welt ihren Pflanzen helfen müssen, Klimaänderungen und Krankheiten zu trotzen. Daher rief er nachdrücklich dazu auf, das neu erworbene Wissen zu teilen.

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