26.07.2005 · Ihr Name klingt vielversprechend, aber Korbblütler der Gattung Ambrosia liefern keineswegs die aus der griechischen Mythologie bekannte Götterspeise. Im Gegenteil, die bis zu einem Meter hohe Beifuß-Ambrosie wird zunehmend von Blütenstaub-Allergikern gefürchtet.
Von Diemut KlärnerIhr Name klingt vielversprechend, aber Korbblütler der Gattung Ambrosia liefern keineswegs die aus der griechischen Mythologie bekannte Götterspeise. Im Gegenteil, die bis zu einem Meter hohe Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia) gilt nicht nur in ihrer nordamerikanischen Heimat als lästiges Unkraut. Weltweit verschleppt, hat sie sich in China und Australien ebenso breitgemacht wie im Süden und Osten Europas.
Besonders unerfreulich ist das für alle, deren Atemwege auf Blütenstaub empfindlich reagieren. Weil die Beifuß Ambrosie oft heftige allergische Reaktionen hervorruft, gaben die Australier ihr den Namen "asthma plant". Auch hierzulande ist sie deshalb nicht sonderlich willkommen. Unter den vielen Pflanzen aus aller Welt, die hier eine neue Heimat gefunden haben, gehört sie zu einer kleinen Minderheit von Mißliebigen - die meisten Einwanderer fügen sich unauffällig in die hiesige Flora ein, nur wenige entpuppten sich bislang als fragwürdige Bereicherung.
In Deutschland noch ein seltenes Gewächs
Noch gilt die Beifuß-Ambrosie in Deutschland als seltenes Gewächs. In den vergangenen Jahren ist sie allerdings merklich häufiger geworden, vor allem in den warmen Regionen Südwestdeutschlands. Wo und wie sie sich ausbreitet, studieren Beate Alberternst und Stefan Nawrath am Botanischen Institut der Universität Frankfurt am Main. Wenn sie landesweit Fundmeldungen sammeln, unterscheiden sie drei verschiedenartige Vertreter der Gattung Ambrosia, allesamt nordamerikanischen Ursprungs. Die Dreispaltige Ambrosie (Ambrosia trifida), benannt nach der Form ihrer Blätter, und die Stauden Ambrosie (Ambrosia coronopifolia) mit ihrem gefiederten Laub sind allerdings nur vereinzelt anzutreffen. Am häufigsten stößt man auf die Beifuß-Ambrosie, deren Blätter doppelt gefiedert sind wie bei manchen Arten von Beifuß.
Wie der einheimische Beifuß haben auch die zugewanderten Ambrosien unscheinbar kleine Blüten ohne bunte Blütenblätter. Denn im Gegensatz zu Sonnenblumen und Disteln müssen diese Korbblütler keine Insekten anlocken. Statt dessen lassen sie sich vom Wind bestäuben. Für diesen ungezielten Transport müssen sie Blütenstaub in großen Mengen produzieren, können ihn aber auch dann noch losschicken, wenn kaum noch Bienen und Schmetterlinge herumfliegen. Erst im Spätsommer entwickeln die Ambrosien ihre charakteristischen Blütenstände. Es sind lange Rispen mit kleinen herabhängenden Blütenköpfchen, die dann bis weit in den Oktober hinein Pollenkörner ausstreuen.
Verlängerung der Leidenszeit
Für Menschen, die auf solche Luftfracht allergisch reagieren, verlängert sich somit die Leidenszeit. Obwohl die Ambrosien hierzulande noch längst nicht flächendeckend auftreten, werden die Folgekosten entsprechender Allergien bereits auf etliche Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Deshalb scheint es ratsam, die weitere Ausbreitung zu bremsen. Dabei gilt es zunächst, die Ausbreitungswege zu klären. Untersuchungen in der Schweiz ergaben, daß Ambrosiensamen mit herantransportierter Erde auf Baustellen verschleppt werden. Vermutlich bleiben sie auch an Fahrzeugen haften und wandern so über die Landstraßen.
Im Garten landen die Samen oft als unerwünschte Zutat im Vogelfutter. In jeder Futterpackung, die Nawrath genauer unter die Lupe nahm, entdeckte er zwischen Hirsekörnern und Sonnenblumenkernen die nur millimetergroßen, aber charakteristisch geformten Ambrosiensamen. Kein Wunder, wächst die Beifuß-Ambrosie doch in üppigen Mengen auf ungarischen Sonnenblumenfeldern. Geraten ihre Samen dann bei der Ernte zwischen die Sonnenblumenkerne, so haben sie die Chance, weit zu reisen.
Die Einwanderer nicht zur Blüte kommen lassen
Wenn die Einwanderer Wurzeln schlagen, empfiehlt es sich, sie möglichst nicht zur Blüte kommen zu lassen. Denn sonst kann die Ambrosie auch dort auftauchen, wo im vergangenen Winter kein Futterhäuschen stand. Schließlich wurde in Kanada nachgewiesen, daß einige Samen nach 39 Jahren noch keimfähig sind. Wo große Mengen im Erdboden lagern, ist diese Pflanze wohl nicht so leicht wieder loszuwerden. Grund genug, sie rechtzeitig an der Ausbreitung zu hindern, meinen die Frankfurter Botaniker.