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Ältestes Fledermausfossil Erst das Fliegen, dann die Echoortung

13.02.2008 ·  Wie macht's die Fledermaus denn nun: Ortet sie ihre Umgebung per Echo, bevor sie losfliegt. Oder erst danach? Ein Streitpunkt unter Forschern. Untersuchungen an dem bislang ältesten Fledermausfossil ergaben: Es gibt keine Hinweise auf eine Ultraschall-Wahrnehmung.

Von Reinhard Wandtner
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Von Fledermäusen geht eine besondere Faszination aus. Schließlich zeichnen sich diese fliegenden Säugetiere durch eine Lebensweise aus, die manchen unheimlich erscheint. Sie übernehmen, immer wenn die Nacht anbricht, souverän die Herrschaft über den Luftraum.

Ermöglicht wird ihnen das durch die Fähigkeit, sich anhand des Echos von selbst erzeugten Ultraschalltönen sicher in den Lüften zu bewegen. Mit Hilfe der Echoortung können sie unsichtbaren Hindernissen ausweichen und fliegende Insekten erbeuten.

Fledermausforscher in zwei Lager gespalten

Gerade die Echoortung ist aber ein Streitpunkt unter Fledermausforschern. Die Frage, ob schon die ersten Fledermäuse über diese ungewöhnliche Fähigkeit verfügten, hat zur Bildung von zwei Lagern geführt. Erst die Echoortung, dann der Aufbruch in den nächtlichen Luftraum - davon ist eine Gruppe von Forschern überzeugt. Im anderen Lager indessen glaubt man an die umgekehrte Reihenfolge.

Und diese Sicht scheint die richtige zu sein, wie jetzt Untersuchungen an einem spektakulären Fossilfund nahelegen, der in der Zeitschrift „Nature“ (Bd. 451, S. 774 u. 818) vorgestellt wird. Es handelt sich um den bislang ältesten Fledermausfund, repräsentiert durch zwei Exemplare.

Auch das Senckenberg-Museum untersuchte den Fund

Die Versteinerungen, die den Streit offenbar zu schlichten vermögen, stammen aus der Green-River-Formation im amerikanischen Bundesstaat Wyoming. Sie sind Zeugen der Säugetier-Evolution aus einer Zeit vor 52,5 Millionen Jahren. Die zwei Fossilien erwiesen sich nicht nur als Vertreter einer neuen Art und Gattung, sondern sogar einer neuen Familie.

Zu diesem Schluss ist Nancy Simmons vom American Museum of Natural History in New York zusammen mit anderen Forschern gekommen, unter ihnen Jörg Habersetzer vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main. Dort hat man das Original aus Wyoming am Mittwoch kurz präsentiert, ehe es wieder in die Vereinigten Staaten verfrachtet wurde.

Fossilien aus der Grube Messel in Hülle und Fülle

Ein amerikanisches Fledermausfossil nach Frankfurt zu bringen erscheint fast, wie Eulen nach Athen zu tragen. Denn am Senckenberg-Institut sind massenhaft Fledermausfossilien aus der Grube Messel bei Darmstadt untergebracht. In dieser Fundstätte wurden solche Fossilien, die andernorts wahre Raritäten sind, zu Hunderten geborgen.

An den rund 47 Millionen Jahre alten Messeler Fledermäusen haben Senckenberg-Forscher schon vor geraumer Zeit bei Untersuchungen am Innenohr klare Hinweise auf eine bereits praktizierte Echoortung gefunden. Das Innenohr der Spezies aus Wyoming, die den Namen Onychonycteris finneyi erhielt, weist indessen nicht die charakteristische Vergrößerung auf.

In die Nacht verdrängt

Weil Onychonycteris - die „krallentragende Fledermaus“ - vor den Messeler Tieren lebte, spricht nach Ansicht der Forscher vieles dafür, dass die Echoortung keine ursprüngliche Eigenschaft ist. Davon ist auch John Speakman von der Universität Aberdeen (Schottland) überzeugt.

Er glaubt, dass die ersten Fledermäuse auch bei Tag aktiv waren und sich unter dem Druck durch Raubvögel zunehmend auf den nächtlichen Beutefang verlegten. Hierbei habe sich dann die Echoortung entwickelt. Onychonycteris konnte wohl gut fliegen und dabei Insekten erbeuten.

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