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Narkose Operieren ohne Altersgrenze

23.10.2006 ·  Die Patienten im Operationssaal werden immer älter. Dazu haben höhere Verträglichkeit und Sicherheit der Vollnarkose durch genaues Monitoring während der Operation beigetragen. Das Narkosegespräch mit älteren Patienten wird dabei immer wichtiger.

Von Magnus Heier
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Heute werden Ungeborene ebenso operiert wie Hundertjährige. Krankheiten können das Risiko des Eingriffs zwar erhöhen, Alter allein gilt aber nicht mehr unbedingt als Risikofaktor. Und die Patienten im Operationssaal werden immer älter: Mittlerweile ist - etwa in der Herzchirurgie - mehr als jeder zehnte Patient über 80 Jahre alt. Künstliche Hüftgelenke bekommen fast nur Ältere, auch in der Tumorchirurgie ist der Anteil älterer Patienten hoch.

Maßgeblich dazu beigetragen hat auch die höhere Verträglichkeit und Sicherheit von Vollnarkosen durch präzises Monitoring während der Operation. Die lebenswichtigen Funktionen des Körpers, vor allem Puls und Blutdruck, werden dabei kontinuierlich überwacht. Das ist vor allem bei chronisch Kranken, unabhängig vom Alter, lebenswichtig. So muß bei Patienten mit langjährigem Bluthochdruck der Druck auch während der Operation auf einem hohen Niveau gehalten werden. Sonst sinkt die Durchblutung lebenswichtiger Organe unter einen kritischen Wert, und es könnte zu einem Schlaganfall oder Infarkt kommen.

Narkosegespräch bei älteren Patienten sehr wichtig

Auch chronische Funktionsstörungen von Leber oder Niere muß der Anästhesist vor der Operation kennen, denn wegen des damit verbundenen verlangsamten Abbaus und der verzögerten Ausscheidung der Narkosemittel muß das Medikament dann deutlich geringer dosiert werden. Um solche Risiken schon im Vorfeld zu erkennen, ist die Bedeutung des vorbereitenden Narkosegesprächs bei älteren Patienten noch größer als bei jungen. Vor allem bei sogenannten elektiven, also vorbereiteten Nicht-Notfall-Eingriffen kann sich der Anästhesist auf die Vorerkrankungen einstellen.

Es gibt keine Narkosetechnik, die speziell bei älteren Patienten eingesetzt würde. Die Frage, ob eher eine Spritze oder eine Gasnarkose eingesetzt werden sollte, stellt sich bei allen Altersgruppen gleichermaßen. Grundsätzlich löst die intravenös verabreichte Narkose die traditionell eingeatmeten Narkosegase zunehmend ab. Letztere wurde vor 140 Jahren zum ersten Mal eingesetzt.

Etwa acht Millionen Narkosen jährlich

Allerdings litt der Patient damals trotz Äther unter Schmerzen. Er hätte mit einer deutlich höheren Dosis betäubt werden müssen, weil er vermutlich Alkoholiker war - ein zu diesem Zeitpunkt nicht bekannter Zusammenhang. Heute ist das Problem erkannt und gelöst. Etwa acht Millionen Narkosen werden insgesamt in Deutschland jährlich durchgeführt. Auch dabei ist der Anteil der alten Patienten so hoch wie nie zuvor.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.10.2006, Nr. 42 / Seite 69
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