27.09.2006 · Wolfgang Amadeus Mozart war äußerst verschwiegen, was die Charakteristik der Tonarten anbelangt. Er sprach kaum darüber, welche er in seinen Werken verwendete. Werner Lüthy forschte nach und entdeckte Erstaunliches.
Von Michael GassmannDer Salzburger Meister hat sich nie zur Charakteristik der Tonarten geäußert. Das hat das Entstehen einer reichen Literatur zu Mozarts Tonarten nicht verhindert. Den Anfang machte 1931 Werner Lüthy mit einer Abhandlung, in der er eine Briefstelle als Beweis dafür heranziehen konnte, daß der Komponist Tonarten sehr bewußt einsetzte.
Über die Arie Nr. 3 aus der „Entführung aus dem Serail“ schrieb Mozart 1781: „Weil aber die Leidenschaften, heftig oder nicht, niemals bis zum Ekel ausgedrückt seyn müssen, und die Musick, auch in der schaudervollsten Lage, das Ohr niemalen beleidigen, sondern auch dabey vergnügen muß, so habe ich keinen fremden Ton zum F (Zum Ton der Aria), sondern einen befreundeten dazu, aber nicht den Nächsten, D minor, sondern den weitern, A minor gewählt.“
Nur selten entlegende Tonarten benutzt
Lüthy untersucht die Arien und Lieder Mozarts auf ihre Tonarten hin und liefert Beschreibungen der einzelnen Charaktere. So besitze E-Dur den „Charakter des Außergewöhnlichen“ und werde „zur Schilderung besonders erhabener und würdevoller Stimmungen, zur Darstellung seltsamer Vorgänge (...) verwendet“. In seinen 1983 erschienenen „Studien zur Tonartencharakteristik“ hat Wolfgang Auhagen die Befunde Lüthys mit denen anderer Wissenschaftler abgeglichen und dabei partielle Übereinstimmungen festgestellt. Bemerkenswert ist zudem, daß Mozart nur sehr selten von entlegenen Tonarten Gebrauch macht.