18.06.2008 · Die Wege zum Sex sind bereits im Urwald eine listenreiche Angelegenheit. Schimpansen führen es uns vor. Ihre Weibchen wissen Paarungsrufe offenbar geschickt und umsichtig einzusetzen.
Welche Funktion die Paarungsrufe von Schimpansenweibchen haben, wird in der Forschung seit einigen Jahren diskutiert. Ein Vorschlag lautet, sie als sexuell ausgelesene Merkmale anzusehen, die es den Weibchen gestatten, ihre Empfängnisbereitschaft anzuzeigen. Das mit den Rufen unter den Männchen ausgelöste Konkurrenzverhalten würde demnach den Weibchen bessere Partner und damit Nachwuchs von höherer genetischer Qualität einbringen.
Nun haben Forscher jedoch herausgefunden, dass diese Idee nicht richtig sein kann. Ihre Untersuchungen an Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii) im Budongo Wald von Uganda erbrachten keine Belege für die Annahme, dass die Paarungsrufe die Konkurrenz unter den Männchen anstacheln. Hormonanalysen zeigten zudem, dass das Rufverhalten in keinem Zusammenhang zur Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis bei den Weibchen stand.
Pater semper incertus
Dafür zeigte sich, dass die Weibchen signifikant öfter riefen, wenn sozial hochrangige Männchen in der Nähe waren, bei Anwesenheit von hochrangigen Weibchen auf dieses Verhalten jedoch verzichteten. Die Forscher leiten daraus die Vermutung ab, dass die Paarungsrufe der Weibchen einer Strategie entsprechen, sozial hochstehenden Männchen Empfängnisbereitschaft zu signalisieren, durch die Paarung mit mehreren dieser Männchen die tatsächlichen Vaterschaftsverhältnisse zu vernebeln und damit die Unterstützung der einflussreichen Männchen für ihren Nachwuchs zu sichern.
Da die Konkurrenz unter den Weibchen oft sehr heftig sei, könnte der Verzicht auf Paarungsrufe in Anwesenheit von hochrangigen Weibchen darauf hinauslaufen, die Risiken solchen Konkurrenzverhaltens zu vermindern.